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Winter ade! – Salute Verona!

Laut Kalender sind wir im Frühling aufgebrochen, gefühlt aber waren vor allem die Temperaturen eher noch winterlich. Beim Familienstopp in Süddeutschland konnten wir zwar dick eingemummelt einen Spaziergang im Sonnenschein genießen; als wir am anderen Morgen dann losfuhren, sah es aber sooo aus:

Eigentlich wollte ich kein Wintercamping machen.

Im Laufe des Vormittags wandelte der Schneefall sich zu Schneeregen und zu Regen, der hinter Innsbruck schließlich aufhörte. Die Straßen waren frei befahrbar. Aber mit zunehmender Höhe kamen wir bald über die Schneegrenze.

Am Rand liegt noch der zu Seite geräumte Schnee aus den Vortagen

Erst in Südtirol kamen nach und nach die Sonne durch und Urlaubsfeeling auf. Und als wir Verona erreichten, zeigte das Thermometer 18 °C. Das nenne ich mal Frühlingswetter.

Blick über Verona zurück auf die Alpen

Das lädt zu einer Stadterkundung ein. Und dafür hat Verona wahrlich viel zu bieten, sogar an einem Montag, wenn alle Museen und viele Kirchen geschlossen sind.

Unser Stadtrundgang startete an der Arena. Sie ist zwar kleiner als die in Pula oder Rom, dafür aber als Veranstaltungsort noch voll funktionsfähig. Das wurde bei den Olympischen Spielen und Paralympics eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Vor der Arena stehen die Ringe in Stein gemeißelt.

Natürlich haben wir viele der Sehenswürdigkeiten erkundet und auch fotografiert. Wir haben viele Piazze und Viocoli (Gässchen) beschritten und die Sitzbänke in den Grünanlagen und am Adige-Ufer zu kleinen Ruhepausen genutzt. Hier sind zwei Beispiele:

Piazza delle Erbe und Torre dei Lamberti

Die Piazza delle Erbe ist einer der Hauptplätze in der Altstadt mit beeindruckenden Palazzi drum herum und einem Markt mit lauter Souvenirkram mitten drauf. Direkt daran steht der Torre dei Lamberti. Diesen Turm kann man – für den gleichen Preis– per Treppen oder per Aufzug erklimmen. Wir waren natürlich oben. (siehe auch Foto vom Alpenpanorama)

Castel S. Pietro

Das Castel S. Pietro liegt außerhalb der Altstadt, die sich in eine Schleife des Flusses Adige (Etsch) schmiegt, aber noch innerhalb der zinnenbewehrten Stadtmauer aus rotem Ziegelstein. Das Castel erreicht man über die Ponte Pietra und anschließend über viele Treppenstufen oder mit der Funicolare (Standseilbahn). Wir wählten letzere und wurden oben empfangen von einem Konzert dieses Musikers:

Ihm konnte man des längeren gut zuhören, denn er verstand sein Hand-, Fuß- und Mundwerk. Dafür gaben auch viele Zuhörer einen Obolus in seinen Gitarrenkasten.

Während morgens war die Stadt noch wenig belebt war – neben einigen früh aufstehenden Touristen waren zahlreiche Schulklassen unterwegs – ; füllten sich die Gassen und Plätze im Verlauf des Tages doch sehr. Dazu kamen weitere Touristengruppen, die Schirm oder Fähnchen schwingenden Guides hinterhertrotteten. So mussten wir schließlich schon manchmal aufpassen, uns nicht zu verlieren. Wie mag das erst in der Hauptsaison sein?

TL; DR:
Wir sind in den Frühling hineingefahren. Verona ist einen Besuch wert.

 

 

A Camper‘s Life

Outdoorküche – empfehlenswert, aber nur ab 25°C und leichter Brise

Bisher habe ich nur von unseren Ausflügen berichtet. Viel Zeit haben wir aber auch auf den Campingplätzen und an deren Stränden verbracht. Wir haben gechillt, geschwommen, gelesen (auf Papier und im Internet), geschrieben, geplaudert und Leute beobachtet. An diesen Erlebnissen und Beobachtungen möchte ich euch etwas teilhaben lassen.

 

Vorher und nachher

Platzsuchende

Während des ersten längeren Aufenthaltes auf Krk (Camping Glavotok) liefen Menschen mit Platzplänen herum. Das Phänomen ist jedem Camper bekannt: Man bekommt an der Rezeption einige Platznummern genannt, aus denen man sich den geeignetsten aussucht. Aber hier liefen die Platzsuchenden nicht am Spätnachmittag herum, sondern am frühen Vormittag. An einem Morgen gehörten wir auch dazu.

vorher: unser erster, provisorischer Stellplatz

Als wir nämlich spätnachmittags ankamen, fanden wir zwar einen – durchaus schönen – Stellplatz, aber es stellte sich im Nachhinein heraus, dass wir wegen einer wunderschönen alten Schatteneiche und wegen der Zwischenterrasse unser Vorzelt nicht aufgebaut kriegen würden. Also haben wir morgens in Ruhe nach einer Alternative gesucht – und sie auch gefunden.

unser neuer, geräumiger Platz

Ursache dieses häufigen „Standort-wechsle-dich-Spiels“ war, dass die Campingplätze auf Krk Anfang September noch sehr voll waren. Wir selbst haben erst auf dem dritten Platz unserer Wahl bleiben können. Denn die Bayern und Baden-Württemberger hatten noch Schulferien, und die anderen Gäste, die die Hochsaison(preise) und die große Hitze meiden wollten, waren auch schon da – Familien mit Kleinkindern und ferienunabhängig (vor allem ältere) Reisende.

 

Wenn‘s mal regnet

Man fährt natürlich an die Adria, um dort tagein und tagaus die Sonne und ihre Wärme zu genießen. Aber auch dort regnet es mal – manchmal sogar extra stark. Einen Tag lang wechselte sich „normaler „ Landregen ab mit Schauern „wie aus Kübeln“, so dass das Wasser die Wege und die Zeltplanen hinabfloss.

Ein Blick vor unsere „Haustür“ – Zwischenzeitlich stand die Fußmatte ganz unter Wasser.

Eine Stunde später war alles Wasser wieder im Kies versickert. Aber das Ganze wiederholte sich mehrmals. Da waren wir froh, nicht mehr im Zelt direkt auf dem Boden zu liegen. Auch die Steckdosen hatten wir vorsichtshalber hochgelegt. Ein paar Tage später wuchsen dann plötzlich diese Pilze auf unserem Stellplatz aus dem Kies.

Der Regen hatte das Myzel wachgeküsst.

Nach so einem Regentag weiß man das anhaltend schöne Sonnenwetter umso mehr zu schätzen.

 

Damals und heute

Vor ein paar Jahrzehnten ging Camping so:

Man packte alles in seinen Familienwagen und fuhr los. So reduzierte man seinen Bedarf aus das Notwendigste. Man stellte sein Zelt auf eine Wiese; Campingleben bedeutete Minimalismus.

Heute werden immer mehr Mobilhomes und feudal ausgestattete Ferienhäuser auf den Campingplätzen installiert. Die Sanitärgebäude sehen aus wie frisch renovierte Badezimmer im Einfamilienhaus. Auch die Stellplatzausstattung wird immer üppiger. Strom-, Wasser- und Fernsehanschluss an jedem Stellplatz reichen da nicht mehr. Es muss schon der eigene Grill und Palmenschirm passend zum Meerblick sein.

Und wenn auf einer Landspitze eine Kapelle steht (was in Kroatien häufiger vorkommt), kann sie ja nicht einfach abgerissen werden, sondern man integriert sie in die Campingkulisse.

Direkt dahinter befinden sich die Beach Bar und der Infinity Pool.

 

Zu guter Letzt

Mit dieser Tour haben wir unsere Erkundung Kroatiens fortgesetzt, die wir vor sechs Jahren gestartet hatten. (siehe damaligen Blog). Wir haben jetzt den Küstenbereich, den wir wegen unseres Umweges zu den Plitvicer Seen vor sechs Jahren verpasst haben, „erfahren“. Wir haben viel typisch Kroatisches wieder gesehen; das habe ich aber schon im Blog vor sechs Jahren vorgestellt. Aber während wir damals von einer Weltkulturerbestätte zur nächsten kamen, haben wir in diesem Jahr nicht eine einzige besucht. Wir fanden die Orte und Landschaften trotzdem sehr sehenswert. Und weil sie eben nicht auf einer Liste der “places to see“ stehen, sind sie längst nicht so überlaufen. Es gibt deutlich weniger Touristennippes und Touristennepp. Besucher sind noch sehr willkommen und werden sehr freundlich begrüßt und behandelt.

Ein Beispiel der Selbstverständlichkeit, mit der Hilfe angeboten und auch tatsächlich geleistet wird, konnten wir am Tag unserer Abreise aus Sveta Marina selbst erleben. Weil es nach längerem Sonnenwetter gerade angefangen hatte zu nieseln, als wir abfuhren, bekamen wir ein Problem bei einem steilen Anstieg des Weges vom Campingplatz zur Hauptstraße. Die Antriebsräder unseres Autos drehten einfach durch, denn die Straße war sehr rutschig geworden. Der Regen hatte sich mit dem Lehmstaub verbunden – manche sagten auch, das Salz aus der Seeluft käme dazu. Kurz nacheinander kamen drei Einheimische die Straße herunter. Jeder hielt an, um uns Hilfe anzubieten. Die kannten das Problem schon. Kurz gesagt, einer von ihnen hat seinen Allrad-Pickup geholt, unseren Wohnwagen auf seinen Haken genommen und die 7 km bis zur Hauptstraße hinaufgezogen. Unser Auto konnte ohne Zuglast bequem hinterherfahren. Zwei Wohnmobile „hingen“ ebenfalls vor dem Berg. Helfer diskutierten gerade noch, wer welches mit seinem Abschleppseil hochziehen würde.

Von diesem Erlebnis gibt es kein Foto. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, das Gespann wieder flott zu kriegen. Es wäre mir auch sehr unhöflich vorgekommen, die Helfer zu knipsen, während sie die Arbeit für uns machten.

Dafür gibt es zum Schluss noch ein für diesen Urlaub typisches Tierfoto.

Die Eidechsen waren klein, aber zahlreich.

Wir werden jetzt in guter Tradition in Etappen den Heimweg antreten und Zwischenstopps einlegen. In Augsburg werden wir noch etwas länger bleiben. Dort gibt es laut Reisefachliteratur viel zu erkunden, wenn auch die Augsburger Puppenkiste wegen Renovierung gerade geschlossen ist.

TL; DR:
Camping hat sich sehr verändert. Auch im Urlaub regnet es manchmal.

 

Die andere Seite von Istrien

Inzwischen haben wir unseren Standort gewechselt. Von der Kvarner Küste sind wir auf die Ostseite der Halbinsel Istrien umgezogen. Auch dieses Gebiet hatten wir auf unserer ersten Kroatientour 2019 ausgelassen. Bei unseren Erkundungstouren wurden wir mal wieder überrascht.

Wir sind nicht aus Versehen ins Ruhrgebiet abgebogen. Dieser Förderturm ist ein Überbleibsel der istrischen Bergbaugeschichte. Er steht seit den 1960er Jahren still; die Drahtseile fehlen und in den Gebäuden nebenan fehlen die Fenster. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Istrien unter italienischer Herrschaft stand, wurde hier der Kohleabbau intensiviert, um die italienische Kriegsindustrie zu versorgen. Mussolini ließ Rasa (jüngste Stadt Istriens) und Podlabin („unter“ der mittelalterlichen Bergstadt Labin) errichten, um dort süditalienische Arbeiter für die neu ausgebauten Bergwerke anzusiedeln.

Die Grubenlampe als das Wappen der neuen Stadt Rasa ziert heute das Rathaus. Gegenüber seht die Sv.-Barbara-Kirche und davor als Denkmal eine Lore mit Presslufthammer.

Sv.-Barbarakirche in Rasa

Auch ein Brocken Steinkohle wurde an dem Rathausplatz zur Erinnerung aufgestellt.

Nach dem Krieg wurde der Bergbau von der jugoslawischen Regierung weiter betrieben. Aber die Kohlekrise führte zur Schließung der Bergwerke in (Pod)Labin und Rasa. Die Betriebsgebäude wurden verlassen und verfallen.

Direktionsgebäude des Bergwerkes in Rasa
Die Natur nimmt wieder Besitz.

Geblieben sind Museen. Das in Rasa ist laut Reiseführer sehr anschaulich, war aber bei unserem Besuch leider geschlossen. In Labin gibt es im Untergeschoss des städtischen Museums ein von den Labiner Bergleuten gebauten Besucherstollen.

ein typischer Museumsbesucher - „SRETNO!“ heißt soviel wie „Glückauf!

Auch nach dem Ende der Bergbauära ist Labin ein Zentrum der Region und bietet alles für die Versorgung der Einwohner und auch der weiteren Umgebung. Aus der alten Zeit ist die zweigeschossige Markthalle geblieben.

Heute ist der Tourismus der Hauptwirtschaftszweig in der Region. Die Landschaft mit dem Ucka-Gebirge und der buchtenreichen Küste bietet viele Möglichkeiten für einen aktiven Urlaub zu Fuß, per Rad sowie auf, in und unter dem Wasser. Unser Campingplatz Sveta Marina ist einer der Hotspots für Taucher – auch Fortgeschrittene.

friedliches Nebeneinander

Und natürlich lockt auch die Altstadt von Labin oben auf dem Berg Busladungen voll von Besuchern an.

Blick auf Labin und das Uckamassiv

Nachdem man die vielen Treppen und steilen Gässchen der Altstadt zur Genüge erkundet hat, kann man es diesem Mann gleich tun. Lokalitäten dafür gibt es hinreichend.

TL; DR:
In Labin macht(e) man auf verschiedene Weise Kohle.

 

Krk – Teil 2: Ein Ausflug aufs Festland

Da die Brücke auf dem Weg zum Festland kein Hindernis darstellt (außer durch einen kilometerlangen Urlauberstau am Freitag und Sonntag), haben wir es uns nicht nehmen lassen, uns auch dort ein bisschen umzuschauen.

 

Crikvenica und Selce

Entlang der Kvarner Küste gegenüber von Krk zieht sich eine Reihe von Badeorten, die nur kurz von Abschnitten unterbrochen sind, die zu steil zum Besiedeln waren. Den Mittelpunkt bildet Crikvenica, in dem – wie in Opatija – schon die Reichen und Schönen des 19. Jahrhunderts Zuflucht vor den harschen mitteleuropäischen Wintern suchten.

Damals war es schick, unter Palmen zu promenieren.

Die Küste von Crikvenica bot sich an, weil es hier einen wirklich breiten, kilometerlangen Strand mit recht feinem Kies gibt.

Auch dahinter bietet eine sehr breite Promenade noch genügend Platz für Schattenbaumreihen, Vergnügungseinrichtungen aller Art wie Strandbars, Spiel- und Sportgeräte, ein Riesenrad …

Das Riesenrad zeigt, dass Crikvenica als Seebad wirklich noch eine Nummer und bedeutender als alle anderen Orte hier ist.

… sowie dahinter eine ebenfalls kilometerlange Reihung von Restaurants, Eisdielen und Souvenirshops. Direkt hinter dieser Reihe beginnt aber schon wieder das Küstengebirge, so dass die Querstraßen oft Treppen sind.

Obwohl die Promenade und die Ladenzeile am dem Vormittag in der Nachsaison nicht überfüllt waren, haben wir der Reizüberflutung nicht lange Stand gehalten und sind einen Ort weiter nach Selce gefahren.

Auch Selce hat einen Strand (wieder überwiegend betoniert) und eine Hafenmole, eine Promenade, Läden und Fischrestaurants – also alles was ein Tourist so erwartet. Aber alles ist überschaubarer, weniger laut und wirkt gemächlicher. So konnten wir dort in Ruhe unser Eis genießen. Selce weist mit Stolz auf seinen Ursprung als Fischerdorf hin. So hat man die Tunera direkt neben dem Stadtstrand erhalten. Die Tunera ist ein Ausguck, von dem aus Späher noch bis ins 20. Jahrhundert für die Fischer nach Thunfischschwärmen Ausschau hielten.

Diese „Tunera“ ist kein Sprungturm für wagemutige Halbstarke, sondern ein Thunfischausguck.

 

Vinodol und Vidikovac

Vinodol ist ein Tal im Hinterland von Crikvenica. Der Name deutet schon an, dass hier traditionell Weinanbau betrieben wurde. Es war also eine relativ einträgliche Region, die Fürsten gerne unter ihrer Kontrolle hatten. So wurde unter anderem die Burg Drivenik im 13. Jahrhundert errichtet, und sie ist noch heute erstaunlich gut erhalten.

Kastel Drivenik beherbergt heute eine Freilichtbühne. (Da konnten wir leider nicht rein.)

Um auch heute noch Touristen in das Hinterland zu locken, wo sie dann vielleicht in einer Konoba in einem der Dörfer einkehren, haben die Gemeinden Vinodol und ihre Nachbarn einige Aussichtspunkte als „Eyes of Vinodol“ ausgewiesen. Natürlich wollten wir uns die Aussicht auf eine spektakuläre Aussicht nicht entgehen lassen. Unser Autonavi konnte uns da nicht helfen, also haben wir den Weg per Handy gesucht – und gefunden. Ein einspuriger, extrem kurviger, aber immerhin geteerter Weg führt kilometerweit immer steil bergan. Er ist zu recht für Wohnmobile gesperrt, denn schon beim normalen PKW scheuern oft Zweige und Gräser am Lack, während auf der anderen Seite gerade genug Abstand bis zu den gelegentlichen Begrenzungssteinen zum steil abfallenden Abhang bleibt. Ich weiß nicht, ob ich mehr wegen der Hitze oder wegen der abenteuerlichen Route geschwitzt habe. (Es war an dem Tag auch noch auf 800 m Höhe recht warm.)

Vidikovac (Aussichstspunkt) Mahavica – Hier ist die Straße schon wieder recht einladend.

Aber das Schwitzen hat sich gelohnt. Man hat hier wirklich einen sensationellen, atemberaubenden Blick über die Küstenlandschaft.

Blick über das Vinodol-Tal – Man erkennt kaum die kleinen Dörfer in der Waldlandschaft. Dahinter erstreckt sich der Velebitski Kanal, eine Meerenge des Adriatischen Meeres, der die Insel Krk vom Festland trennt. [Rechts vorne liegt ein Speicherbecken für Süßwasser.]

Ich habe noch viele Fotos dort geknipst, aber die sind bei dem Gegenlicht am Spätnachmittag nicht sooo gut geworden. Sucht euch einfach die entsprechenden Profiaufnahmen in den einschlägigen Quellen heraus. Man kann jedenfalls über Krk und seine Brücke hinweg auch die Insel Cres, Istrien mit dem Uckagebirge und (mit gutem Willen und gutem Auge) auch die südlichen Alpen sehen. Und überall zwischendrin glitzert das Mittelmeer.

TL; DR:
Auch auf dem Festland hinter Krk gibt es was zu sehen.

Krk – Teil 1: Die Insel

Krk ist eine Insel. Deshalb brauchte man früher eine Fähre, um dorthin zu gelangen; heute gibt es eine komfortable Brücke. Inzwischen ist diese Doppelbrücke sogar mautfrei, die alten Kassierstationen sind aber noch nicht abgebaut.

links Krk – rechts Festland

Krk ist auch eine Stadt. Sie war schon immer der Hauptort der Insel; dementsprechend war sie mit einem Kastell und einer mächtigen Stadtmauer befestigt. Beides kann man heute noch besichtigen.

 

Hinter der Stadt- und der Burgmauer ragt weithin sichtbar der Turm der Kathedrale empor, übrigens einer der wenigen mit Zwiebelturm hier. Oben auf dem Turm verkündet – gesichert durch einen Blitzableiter – ein Posaunenengel die frohe Botschaft.

 

 

Es gibt noch ein paar weitere Kirchen in der Stadt (kann man in jedem Reiseführer nachlesen). Aber von den zahlreichen kleinen privat unterhaltenen Stifterkapellen ist nur eine einzige übriggeblieben. Zwischen Bonbonladen, Strandboutique und Dönerkiosk eröffnet sich plötzlich der Blick in diesen Andachtsraum:

Kapeli Sv. Josipa in der Ulica J.J.Strossmayera

Ansonsten bietet die Stadt Krk alles, was das das Touristenherz begehrt: einen Hafen, eine Promenade und einen Stadtstrand (schön terrassiert und betoniert, also ohne lästigen Kies), Restaurants und Eisdielen, Läden für Souvenirs und Standbedarf – und einen Fotospot mit Stadtsymbol.

Auf dem Weg zu einem Becken, an dem sich früher die Waschfrauen trafen, hat man zur Erinnerung diese lebensgroße Statue aufgestellt.

Anders als der Kirchengel ist die Wäscherin für jedermann erreichbar.

Neben Krk gib es noch eine Reihe weiterer Orte auf der Insel, die zum Teil austauschbar touristisch geprägt und überformt sind. Manche haben aber noch etwas von ihrem ursprünglichen Charakter und Charme bewahren können. Hier gibt es jetzt nur zwei Beispiele davon. Baska liegt an einer Bucht am Südende der Insel; es ist ein traditionelles Fischerdorf mit einer etwas überdimensionierten Marina.

Auch die Dokumentation der großen Liebe geschieht hier noch traditioneller – vielleicht auch in Ermangelung eines respektablen Brückengeländers für Schlösser.

Vrbnik liegt oberhalb der Ostküste der Insel. Hier kann man in vielen Konobas und Weinkellern den um den Ort herum angebauten Weißwein verkosten.

Wie fast überall ist der alte Ortskern für Autoverkehr gesperrt, denn die Gassen sind wirklich sehr steil, und zum Teil ist die Steigung nur mit Treppenstufen zu überwinden. Aber Vrbnik wirbt damit, die schmalste Gasse der Welt zu haben. Sie ist nur 43 cm breit.

TL; DR:
Die kroatische Insel Krk lebt mit und vom Tourismus.

 

Eine neue Hauptstadt – Ljubljana

Soooo neu ist die Hauptstadt Ljubljana zwar nun auch wieder nicht – den Staat Slowenien in seinen heutigen Grenzen gibt es seit 1991 –; aber wir sind an dieser Stadt bisher immer schnell/weit vorbeigefahren und haben noch nie einen Zwischenstopp hier eingelegt. Also wurde es Zeit, dass wir uns endlich mal in Ljubljana umsehen. Nachdem wir in Ismaning noch ein paar Blumen und Taschen abgegeben hatten, steuerten wir den stadtnahen Campingplatz an. Der war zwar voll, aber keiner wurde abgewiesen. So standen wir in einer Parklücke im hinteren Teil des Platzes. Das war deutlich lauschiger als die Alternative auf dem vollsonnigen betonierten Sportfeld:

Platz ist in der kleinsten Lücke.

Ljubljana ist die Stadt des Drachen. Man kann es auf dem Foto oben kaum erkennen, aber auf der Burg im Stadtwappen thront ein grüner Drache. Der Sage nach wohnt er auch noch immer im Burgberg und stößt häufig seinen Atem als Morgennebel aus. Dementsprechend häufig begegnet man unzähligen grünen Plüschdrachen in allen Größen in den Souvenirläden, Drachen auf vielen Postern und als Kunstwerke, ein lebendes Maskottchen auf einem der Märkte und natürlich auch auf den Pfeilern einer Brücke.

Vier dieser grünen Kupferdrachen bewachen die Brücke auf dem Weg zum Schloss.

Ljubljana ist fast wie Bielefeld. Es hat fast so viele Einwohner wie Bielefeld, wovon auch ca. 40.000 Studenten sind. Aber die Atmosphäre ist deutlich charmanter.

Ljubljana hat auch eine Burg, die nach mehrfacher Überarbeitung noch vollständig erhalten ist und heute museal, künstlerisch und gastronomisch genutzt wird. Da kann die Sparrenburg nicht mithalten.

Wir haben den Burgberg im Rahmen einer Stadtführung mit der Standseilbahn „erklommen“.

Ljubljana hat auch Hochhäuser. Neboticnik ist das älteste in der Stadt aus dem Jahr 1933. Es soll lohnenswert sein,die Treppe in diesem Hochhaus anzusehen (es gibt auch einen Lift) und das Restaurant oder die Lounge ganz oben zu besuchen, aber das haben wir zeitlich nicht mehr geschafft.

Neboticnik – leider nur von außen

Ljubljana wurde auch stark zerstört, aber schon 1895 durch ein verheerendes Erdbeben. Das ergab aber auch die Chance für eine Neugestaltung beim Wiederaufbau. Prägend dabei war der Architekt Plecnik, dessen Werke und Ideen uns an jeder zweiten Ecke begegneten. Seine Arbeit ist geprägt vom Jugendstil, und die Pläne seiner naturnahen Stadtgestaltung sind voller Symbolik. Die Stadtführerin hat uns viele Geschichten dazu erzählen können.

Das Kaufhaus Galeria Emporium – ein Beispiel für Plecniks Schaffen

Entlang des Flusses hat Plecnik einen Markt in zwei Etagen gebaut, einen Fischmarkt im Untergeschoss und Kolonaden und eine geschlossene Markthalle darüber.

Durch Ljubljana fließt auch ein Fluss. Die Ljubljanica ist aber wesentlich wasserreicher und idyllischer als die Lutter. Wir haben die Stadt auch per Boot erkundet.

Blick auf eines der zahlreichen Terrassenufer, die zum Verweilen einladen – hier auch zum Lesen

Plecnik hat auch Brücken gebaut oder umgestaltet, wie die Schusterbrücke (fast schon überladen dekoriert).

Schusterbrücke – Gestaltungselemente wie die Betonbalustrade und die Lampen sind auch an anderen Werken Plecniks wiederzufinden.

Ljubljana hat auch ein „grünes Gewissen“. Die ganze Innenstadt wurde zur Fußgängerzone umgestaltet. Nur Fahrräder sind noch erlaubt – die sind aber auch sehr rasant. Für Leute, die nicht (mehr) so gut zu Fuß oder schwer beladen sind, hat man die „grünen Kavaliere“ eingeführt. Das sind Elektrofahrzeuge, die man telefonisch bestellen kann und die einen überall in der Innenstadt hinfahren – kostenlos!

ein „Kavalir“ im Einsatz – Für den Winter gibt es auch die geschlossene Version. (mit Fenstern rundum)

Dass man es mit dem grünen Gewissen ernst meint, zeigt dieses Bild:

Beim Neubau der Fleischerbrücke wurden die dort schon stehenden Platanen „integriert“.

Ljubljana legt auch Wert auf Tradition. Das kann man nicht nur an der Vielfalt der Museen ermessen, sondern man begegnet ihr auch auf der Straße.

Auf einem der Märkte machte sich diese Folkloretanzgruppe für ihren Auftritt bereit.

Auf dem Weg zum Rathaus trafen sich die Mercedes-Freunde. (In Bielefeld geht man dafür zum Lenkwerk.)

 

TL; DR:
Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens, ist fast so wie Bielefeld.

 

 

 

 

Quimper – Locronan – Concarneau

Natürlich haben wir auch auf dieser Tour nicht ganz auf touristische Highlights verzichtet und ein paar Städte besucht, die im Straßenatlas mit zwei Extrasternchen versehen sind. In der Stadt Quimper waren wir tatsächlich vorher noch nie; und Locronan und Concarneau kann man sich ruhig nach über dreißig Jahren noch einmal ansehen.

Quimper

Je größer die Stadt, desto größer die Anzahl der Hinweisschilder. Dazu kommt dann noch die konsequente Zweisprachigkeit in französisch und bretonisch. Nur wenige bretonische Namen haben gar keine „Übersetzung“ ins Französische bekommen. Es brauchte schon etwas Gewöhnung, bis ich raus hatte, welche Hälfte der Schilder ich tatsächlich lesen musste, um die passende Abzweigung zum nächsten Ort oder den richtigen Parkplatz nicht zu verpassen.

Nachdem wir unser Auto sicher abgestellt hatten, kamen wir als erstes zum Odet, der durch die Stadt fließt. Etwa alle fünfzig Meter führt eine blumengeschmückte Fußgängerbrücke über den Fluss. Wir konnten uns kaum entscheiden, welche wir nehmen wollten.

Aber wir mussten hinüber, weil wir ja in die Altstadt gehen wollten.

Natürlich sind auch entlang der Mauer Blumenbeete angelegt. Man muss ja schließlich seinen Status als “ville fleurie“ verteidigen.

Reste der Stadtmauer, die die Altstadt einst umgab, sind noch erhalten. Direkt dahinter steht die Kathedrale, ein recht hübsches Exemplar ihrer Art. Noch interessanter als von außen fand ich die Kirche von innen.

Kein Knick in der Optik, sondern in der Kirche!

Für dieses Foto habe ich mich genau mitten in den Mittelgang des Hauptschiffes (mit dem rosafarbenen Deckengewölbe) gestellt. Der hintere Teil (weißes Deckengewölbe) mit dem Altar ist leicht schief nach links weitergeführt. Ich habe mehrere mögliche Erklärungen dafür gelesen, eine nicht mehr einleuchtend als die andere. Die Baumeister können wir leider nicht mehr fragen.

Haus der Fayencen

Dieses Haus – es steht gegenüber der Kathedrale – ist über und über mit Fayencetellern und -fliesen geschmückt, und drinnen werden sie auch in großer Zahl verkauft. Sie werden seit dem 17. Jahrhundert in einer Fabrik am Stadtrand produziert, und sie sind auch überregional bekannt und beliebt. (siehe auch Hausnummern in einem früheren Beitrag)
In Quimper habe ich zum ersten Mal hier im Finistère auch Fachwerkhäuser gesehen, die teilweise noch aus dem Mittelalter stammen. Ansonsten ist in dieser Region der graue Granit der vorherrschende Baustoff für Gebäude und Mauern aller Art. Auch bei Neubauten wird er oft noch verwendet, zumindest als dekorative Tür- und Fensterumrahmung. Echt alte Gemäuer erkennt man an den unregelmäßigen Bruchsteinen.

Locronan

Von Quimper ist es nicht weit nach Locronan, einem absoluten Gegenbeispiel.

Zugangsstraße nach Locronan

Locronan ist eine Kleinststadt, die sich ihr mittelalterliches Erscheinungsbild bewahrt hat und es vermarktet. Autos müssen außerhalb parken (es ist aber alles gut zu Fuß zu erreichen), es gibt keine Werbetafeln, modernen Laternen etc. Der Ort wird auch gerne als Kulisse für Historienfilme benutzt. In diesem alten Bereich kommt man sich tatsächlich wie in einem geschäftstüchtigen Freilichtmuseum vor; es gibt nur Touristenläden und Galerien und entsprechende Gastronomie.

An einer Ecke des Hauptplatzes hat sich dieser Holzschnitzer platziert. Er schnitzt aber hauptsächlich für Fotos, die er sich mit einem Euro bezahlen lässt. (Wie ihr seht, hat er den auch bekommen.) Allerdings hatte er wenig zu tun; es ist halt Nebensaison.

Concarneau

Ville Close, die Altstadt von Concarneau

Die Attraktion der kleinen Küstenstadt Concarneau ist ihr als Festung ausgebaute Altstadt auf einer Insel mitten im riesigen Hafen. (überwiegend Fischereihafen) Die Festungsmauer ist noch komplett erhalten und man kann größtenteils auf ihr entlang gehen.

Dieses Foto wurde von einem Wehrturm aus geknipst; den Fußweg sieht man nicht,weil er hinter der Mauer geschützt verläuft.

Von dort oben hat man zum einen einen guten Blick auf die (neuere) Stadt und den Fischereihafen mit angrenzenden Hallen. Die Fischer von Concarneau gehen hauptsächlich auf Thunfischfang bis vor die afrikanische Küste und die Seychellen; aber auch Makrelen- und Sardinenfänger gibt es viele. Bekannt ist die Stadt für ihre Konservenfabriken, die den Fisch dann in Öl oder in allerlei Soßen einlegen, ihn zu Brotaufstrich oder Rillette verarbeiten und das alles in Dosen und Gläsern an den Mann, die Frau und die Touristen bringen. In der Ville Close gibt es mehrere Läden, die sich nur auf Fischkonserven spezialisiert haben.

Blick von der Mauer in die romantische Altstadt

Die Ville Close ist – ähnlich wie Locronan – ausschließlich dem Tourismusgeschäft gewidmet. Das führt dazu, dass in der Nachsaison die Hauptstraße am späten Vormittag so aussieht:

Später war noch etwas mehr los, aber voll war es noch lange nicht. Vielleicht lag es aber auch am bedeckten Wetter, das nicht so viele Leute nach draußen lockte. (Warm genug war es immer noch.)

Wir haben schon viel besichtigt und zahlreiche Strandspaziergänge absolviert. Entlang der gesamten (!) bretonischen Küste verläuft der „sentier douanier“, der Zöllnerpfad. Angeblich sind die Zöllner früher dort Streife gegangen. Der Weg führt, soweit Klippen das zulassen, immer direkt an der Küste entlang und ist nur für Fußgänger geeignet. Das macht ihn zu einem hervorragenden Wander- und Spazierweg, auch gut um die leckeren bretonischen Plätzchen und anderen Spezialitäten ‚abzuarbeiten‘.

Der extra schöne Spätsommer macht gerade Pause. Das gibt uns den Anlass, mal wieder aufzubrechen. Wir werden in Etappen zurückfahren. Wir werden noch ein paar Tage in den Niederlanden verbringen, denn wir haben ja ein auch Geburtstagsgeschenk ‚abzuarbeiten‘. Davon kann ich euch dann wieder live bei unserem Wiedersehen berichten.

TL; DR:
Die drei Städte sollte man mal gesehen haben. Et „au revoir“.

Bretagne – gleich wiedererkannt

Wir sind ja nicht zum ersten Mal in der Bretagne; und auch hier am Westende, im Finistère, waren wir schon – vor 31 Jahren in Bénodet. Deshalb kannten wir schon einige Orte, die wir gerne mal wiedersehen wollten. Und uns ist vieles wieder begegnet, was typisch für die Bretagne ist oder laut Reiseführern sein soll. Einiges davon habe ich hier zusammengetragen.

Calvaire von Notre-Dame-de-Tronoën

Die frühe Christianisierung hat hier eine Bauform hervorgebracht, die wir anderswo in dieser Form noch nicht gesehen haben, die „calvaires“ (Kalvarienberge). Ein „calvaire“ ist aus bretonischem Granit gemeißelt. Er steht neben einer Kirche und stellt die Passion Christi dar – in sehr unterschiedlichem Detailreichtum. Der von Notre-Dame-de-Tronoën ist wohl der älteste im Land.

Noch viel älter – aus vorchristlicher Zeit – sind die Dolmen (Megalithgräber). Die gibt es hierzulande in großer Zahl. Wir haben eines auf der felsigen Landspitze Pointe de Torche gefunden:

Dolmen auf der Pointe de la Torche

Direkt darunter / davor sind die Felsbrocken von den Meereswellen umspült. Als wir da waren, war Niedrigwasser, deshalb gibt es kein so imposantes Foto von sprühender Gischt.

Wenige Kilometer weiter steht einer der vielen Leuchttürme, der Phare d‘Eckmühl. (Über den Namen gibt euch das Internet sicherlich kompetente Auskunft.) Er ist innen kostbar ausgestattet, und auch die Haube ist von außen reichlich verziert. Wir haben ihn damals schon besichtigt und uns jetzt den Aufstieg der über 300 Stufen erspart.

     Von links nach rechts: Semaphore (vom Militär betrieben)             – alter Vorgängerleuchtturm (warum sollte man ihn abtragen?)           – „neuer“ Phare d‘Eckmühl

Die unzähligen Felsvorsprünge und -abschnitte entlang der bretonischen Küste, die sich auch unter der Wasserlinie fortsetzen, und die oft hohe Atlantikbrandung erfordern eben eine möglichst dichte Reihung von Seezeichen. Nur so ist eine sichere Küstenschifffahrt denkbar.

Neben diesen beispielhaften Sehenswürdigkeiten sind mir bei unseren Spaziergängen ein paar Dinge vor die Linse gekommen, die man überall in der Bretagne finden kann.

Nachzügler

Dieses ist eine der wenigen noch farbkräftigen Hortensiendolden, die im September noch blüht. Die meisten sind jetzt schon verblüht und eignen sich nur noch als Trockengestecke für den Winter. In allen Gärten, vor den Häusern und oft auch entlang der Dorfstraßen stehen riesige Hortensienbüsche, die im Sommer in allen Farben blühen. Sie sind ein Wahrzeichen für die Bretagne.

Wer sein Haus liebt – oder es kürzlich renoviert hat – , hat es mit einer verzierten Hausnummer versehen. Diese Fliesen werden in der renommierten Fayencefabrik Henriot-Quimper hergestellt und es gibt sie in verschiedenen floralen und nautischen Dekoren. Mancher findet sie kitschig, aber sie gehören zu dieser Gegend.

Genauso dazu gehören die blauen oder weißen (oder inzwischen auch anders bunten) Fensterläden. Sie halten zuverlässig nachts das Licht draußen; aber wenn es tagsüber durch das Fenster hineinscheinen soll, müssen die Fensterläden an der Außenwand fixiert werden. Bisher kannte ich dafür nur recht schlichte Bügel oder spiralförmig geschmiedete Eisen. Hier in Sainte Marine hat man für diesen Zweck Männchen:
Fensterladenhalter

In vielen (Souvenir-)Läden findet man Kleidung und Wohnaccessoires mit oder aus Spitzen. Auch die bretonischen Frauentrachten haben Spitzendekor und Spitzenhauben. Vor allem hier im Bigouden (Region westlich des Odet) sind die Hauben besonders hoch. Wohl deshalb ist der Giebel einer Schule in der Nachbarstadt Pont l‘Aabbé mit diesem Spitzendesign verschönert:

Spitzengiebel in Pont l'Abbé

Hier in der Bretagne ist die Saison tourismustechnisch vorbei. Viele Museen und Freizeiteinrichtungen haben schon reduzierte Öffnungszeiten; viele Campingplätze sind spätestens ab Mitte September geschlossen – wir haben uns also vor der Anreise schon über die Öffnungzeiten informiert; und auch viele Laden- und Werkstattbesitzer nehmen jetzt ihre Auszeit. Immer wieder findet man im Fenster oder an der Tür ein solches Schild:

Ein anderes Schild findet man in allen größeren und kleinen geschlossenen Ortschaften:

In Frankreich war es offensichtlich kein Problem, innerorts auch auf den Durchgangsstraßen Tempo 30 einzuführen. Diese Hinweisschilder werden ergänzt durch zahlreiche „ralentisseurs“; das sind Schwellen, die man wirklich nicht mit mehr als 30km/h überfahren kann, ohne seine Stoßdämpfer ernsthaft zu gefährden. Oft gibt es auch noch die freundlichen Leuchttafeln, die dem Autofahrer in rot oder grün die aktuelle Geschwindigkeit anzeigen, sowie weitere verkehrsberuhigende Möglichkeiten, die wir nur in Siedlungsstraßen kennen.
Diese Verkehrswende wurde offensichtlich begleitet von einer Kampagne "priorité aux pietons". Sobald ein fußgänger in der Nähe eines Zebrastreifens stehen bleibt, halten die Autofahrer an und winken ihn über die Straße - ob er will oder nicht. Man muss salso schon genau überlegen, ob und wo man in seinem Schritt innehält; und die Körpersprache sollte eindeutig sein, wenn man nicht die Straße überqueren will.

Zum Schluss noch ein Hinweis, den wir nahe der Mittelmeerküste im letzten Jahr auch schon gesehen haben. Dort war er mit Schablonen und Straßenfarbe neben Gullyöffnungen aufgemalt; hier gibt es dafür wetterfeste Metallköpfe:

"Nichts hineinwerfen - hier beginnt das Meer."

TL; DR:
Mir sind viele typisch bretonische Details vor die Linse gekommen.

 

In der Bretagne angekommen

Es gibt wieder Schilder in zwei Sprachen, französisch und bretonisch. Diese Zweisprachigkeit wird nicht nur bei den Namen sondern bei fast allen Hinweisen im Ort auf das Stadtzentrum, die Sporthalle etc. durchgehalten.

Wir sind also in Sainte Marine angekommen. Der Ortsteil liegt am Odet, einem Fluss mit sehr einer breiten Mündung, der bis weit ins Land hinein sehr stark von Ebbe und Flut beeinflusst wird.

Blick auf die Odetmündung bei Flut von der Brücke Pont de Cornouaille aus.

Die Boote liegen so weit mitten im Fluss an Bojen, weil sie sonst zeitweise im Schlamm liegen würden und man nicht jederzeit lossegeln kann. Dafür muss man am Ufer ein Miniboot haben, damit man seine Jacht überhaupt erreicht.

Personenfähre und Brücke Brücke über den Odet auf einen Blick (dazwischen einer der Jachthäfen)

Diese Flussmündung trennt die Orte Sainte Marine und Bénodet. Jahrhundertelang konnte man nur mit einer Fähre hinüberkommen oder musste einen riesigen Umweg fahren. Erst 1974 wurd eine Hochbrücke (Pont de Corouaille) etwas nördlich der Orte errichtet. Die ist sehr viel befahren. Heute verkehrt nur noch eine kleine, bunte Personenfähre über den Odet, aber die alten Anleger mit dem breiten Straßenanschluss existieren bis heute. Sie dienen jetzt als Slipanlagen für Boote.

Die kleineren Orte entlang der Küste sind natürlich ganz auf Tourismus ausgerichtet. Viele der alten Häuser im Ort sehen heute nach Zweitvillen betuchter Städter aus.

Sainte Marine – typische Villa im traditionellen Stil

Auf den ersten Blick sieht das aus wie ein altes bretonisches Häuschen mit dem typischen Schornsteinaufbau an den Giebeln. Es gibt viel Granitstein an der Fassade, aber sehr regelmäßig verbaut und unterbrochen von verputzten Wänden. Das Grundstück wird abgeschlossen von Mauer und schmiedeeisernem Tor (manchmal auch schwere Holztore, und vor dem Haus oder in der Garage finden man größere Limousinen oder SUVs teuerer Marken. Wer kein altes Haus kaufen konnte, baut eben neu, stilistisch angepasst oder ganz modern. Durch Mauern und Hecken ist das Anwesen gut vor neugierigen Blicken geschützt.

Am Rande des Ortes gibt es einen Campingplatz, der mit einem kurzen Fußweg (300 m) direkten Zugang zum Strand einer sehr langen Bucht hat.

unser direkter Weg zum Meer (Die ganze Bucht passte auf kein Foto.)

TL; DR:
Wir sind in dem bretonischen Ort Sainte Marine an der Mündung des Odet angekommen.

Nachtrag: Utah Beach

Wenn man an die Küste der Normandie fährt, kann und darf man es nicht versäumen, wenigstens eine der Orte zu besuchen, an denen am D-Day (6.6.1944) die alliierten Landungstruppen das Festland betreten haben. Es gibt fünf Strandabschnitte die damals als strategisch geeignet ausgewählt wurden. Am bekanntesten ist sicherlich Omaha Beach, aber Sword, Juno und Gold Beach östlich davon waren mir nicht geläufig.
Wir sind zum westlichsten Landungsabschnitt gefahren:

Das gehört schon zum Cotentin, an der Südostecke. Die Truppen sollten (und haben) von hier aus die Halbinsel und den kriegswichtigen Hafen Cherbourg erobern.

Wenn man zum Utah Beach kommt, findet man entlang der Dünen eine ganze Reihe von Bronzestatuen und Gedenksteinen und -tafeln – zum einen einfach in die Landschaft gesetzt und auch an einer Bunkeranlage der Deutschen. (Davon habt ihr sicherlich selbst schon welche gesehen irgendwo zwischen Biarritz und Skagen.)

Modell eines Landungsbootes mit aussteigenden Soldaten (Originalgröße)
Mit zahlreichen solcher Boote wurden Soldaten, Fahrzeuge und Material von den großen Kriegsschiffen zur Küste transportiert.

Das Kernstück dieses Gedenkortes aber ist ein über die Jahrzehnte immer weiter gewachsenes Museum. Hier wird mit vielen kleinen und großen Ausstellungsstücken – z.T. zu Szenen zusammengestellt – , Karten, Fotos, Texttafeln (französisch/englisch) und Videos (Originalaufnahmen und Interviews) der historische Verlauf von der Besatzung des Cotentin durch die Deutschen bis zur Befreiung durch die Alliierten gezeigt.
Ich fühlte mich von den vielen Detailinformationen etwas überfordert, kann mir aber insgesamt jetzt ganz gut vorstellen, was so eine Invasion für einen Aufwand Material, Logistik, Organisation und strategischer Planung erfordert – und wie sehr manches doch von kleinen Zufällen abhängt. So sind die Truppen wegen der starken Strömung 1,5 km von ihrem geplanten Punkt gelandet. Das hätte bei der abwechslungsreichen Beschaffenheit der Küsten schon zum Problem werden können. Auch die Koordination mit gleichzeitig im Hinterland landenden Fallschirmjägern wurde schwieriger.
Bei allem Detailreichtum fanden wir die Präsentation sehr objektiv und sachlich. Wertungen bleiben dem Besucher selbst überlassen.

(Blick aus dem Wohnwagenfenster)

An diesem Tag hat es das erste Mal geregnet – und auch ein paar mal gedonnert. Aber unsere Regenjacken haben wir nicht gebraucht, denn immer wenn wir draußen waren, blieb es trocken.
Am folgenden Tag sind wir in die Bretagne weitergefahren. Der Regen war schon wieder vorbei, aber der Himmel noch bewölkt, also ideales Wetter, um eine längere Strecke zu fahren. Und gegen Abend beim Aufbau des Vorzeltes schien schon wieder die Sonne. 

TL; DR:
Utah Beach ist einer der Strände, an denen 1944 die Allierten Truppen den Kontinent betreten haben – auch heute noch einen Besuch wert.

Cotentin – wo ist das denn?!

Diese Frage habe ich oft gehört, wenn ich unser diesjähriges (erstes) Urlaubsziel nannte.
Cotentin ist eine Halbinsel am nordwestlichen Ende der Normandie. An ihrem Nordende liegt die Hafenstadt Cherbourg, entlang der Küste viele Kaps mit Leuchttürmen, Strandbuchten im Hügelland und auch lange Sandstrände mit ausgedehnten Dünenlandschaften dahinter. Vor der Westküste liegen die Kanalinseln Jersey, Guernsey etc. und in der Südecke der Mont Saint Michel.
Jetzt sind wir schon eine Woche unterwegs und es ist höchste Zeit, ein paar Eindrücke und Bilder mit euch zu teilen.

Valognes

Unseren Wohnwagen haben wir in Valognes aufgestellt, also mitten auf der Halbinsel. Valognes ist eine typische Kleinstadt mit Kirche, Markt und Blumenschmuck. Nach dem verregneten Sommer hier blüht der jetzt nochmal richtig auf.

Wie die meisten Städte und Dörfer legt Valognes auch großen Wert auf Blumenschmuck und bekommt dafür drei Sterne als „ville fleuri“.
Die Kirche Saint-Malo de Valognes ist eine Kombination aus Alt- und Neubau (innen schöner als außen; wobei in den Neubau Reststücke der Gemäuer mit verbaut wurden.
Auf dem Markt gibt es neben dem üblichen Angebot an Obst, Gemüse, Blumen und Klamotten auch lebendes Geflügel – wie diese jungen Puten – und Kaninchen.

 

 

 

Cherbourg

Cherbourg hat einen großen Fähr-, Fischerei- und Handelshafen und einen Militärhafen. Da Die Stadt und der Hafen im Krieg sehr umkämpft waren, sind nicht so viele alte Gebäude erhalten geblieben. Aber ein Rundgang durch die Altstadt lohnt sich trotzdem.

Danach haben wir uns ein zünftiges „Bütterken“ verdient.

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Das eigentliche Highlight ist die „Cité de la Mer“. Dieses dreiteilige Museum zeigt alles ums U-Boot fahren, unter anderem im Original das erste französische Atom-U-Boot „Le Redoutable“. Das ist wirklich seeehr groß, aber wenig fotogen. Interessanter ist der Museumsteil über das Leben im Meer, mit viel Animation und zahlreichen Aquarien.

Dies ist das einige vorzeigbare Bild davon. Bei den anderen waren die fische einfach zu schnell oder es war alles zu dunkel – wie es weit unter dem Meeresspiegel eben ist.

 

Der dritte Museumsteil befasst sich sich mit der Titanic, unter anderem mit Relikten von Bord und Szenen aus DEM Spielfilm. Außerdem dokumentiert dieser Teil die Rolle Cherbourgs als Auswanderungshafen. (vgl. Bremerhaven)

Dieses ist das Original-Auswanderungsterminal „gare transqtlantique“, in dem ein Teil des Museums untergebracht ist.

   

Entlang der Küste

Viel interessanter als diese große Stadt sind die vielen kleinen Orte, Buchten mit ihren Stränden (steinig bis feinsandig) und Kaps mit ihren Leuchttürmen. In mehreren Teiletappen haben wir die Küste entlang von gut ausgeschilderten Touristenrouten abgefahren. Es gab viele Stopps für sehenswerte Fotomotive à la Postkarte. Allerdings war das Wetter zwar sonnig und warm/heiß, aber oft auch diesig; und die Gezeiten waren auch nicht ganz mit unseren Touren synchronisiert. Trotzdem möchte ich euch ein paar von meinen nicht ganz so perfekten Bildern zeigen.

  

Dieses Bild ist typisch für große Teile der Küstenlandschaft. Da die Halbinsel Cotentin erstaunlich hügelig bis bergig ist, gibt es auch an der Küste eine reiche Abwechslung von steilen Vorsprüngen und flachen Buchten. Auch die landschaftsprägenden Knicks, das sind Mauern mit (Brombeer-)Hecken, reichen bis direkt an die Küste.

Falaises de Landemer – Ist es nicht schööön?

   

Auf diese Vorsprünge hat man häufig Leuchttürme gesetzt; dann braucht man sie nicht so hoch zu bauen. Wenn die Küste allerdings flach ist, oder die Felsen weiser raus reichen, muss eben ein hohes Bauwerk her.

Phare de Gatteville, der zweithöchste Leuchtturm des Landes. Er hat 365 Stufen; die haben wir uns erspart, weil die Sicht wegen des diesigen Wetters sowieso nicht gut war.

 

Neben dem Leuchtturm steht oft ein kleinerer Turm oder ein Mast mit verschiedenfarbigen Lichtern. Das ist ein Semaphor, das zusätzliche Leuchtzeichen geben kann. Für Details fragt bitte einen ausgebildeten Seefahrer.

Die Türme haben am Cap Lévi prompt Nachahmer auf den Plan gerufen.

  

Außer den Leuchttürmen findet man vielerorts Reste alter Festungen. Die normannische Küste war auch schon in früheren Jahrhunderten sehr umkämpft.

Der (in Wirklichkeit gar nicht so) kleine Turm im Hintergrund ist die Festung von Staint-Vaast-la-Hougue, von Vauban erbaut. Was so ein Festungsturm mitten im Watt strategisch tatsächlich bewirken kann, mir nicht ganz klar.

   

Zum Schluss habe ich noch zwei Häfen für euch.

 

Das ist der Hafen von Barfleur, wie er auch auf jeder Postkarte steht.  

Port Racine – der wohl kleinste Hafen Frankreichs.

  

Bald werden wir unseren Wohnwagen wieder anspannen und weiter nach Südwesten in die Bretagne aufbrechen. Mal sehen, was uns dort vor die Linse kommt.

TL; DR:
Die Halbinsel Cotentin hat viel Küste mit Häfen und Leuchttürmen, das typisch französische Landesinnere ist geprägt von einer sehr hügeligen Knicklandschaft.

 

Noch mal in die Berge – von Roussillon nach Senanque

Sicherlich hat sich auch bei euch schon rumgesprochen, dass fast ganz Frankreich von der canicule, der Hitzewelle, erfasst ist. Deshalb haben wir auch unsere Aktivitäten etwas zurückgeschraubt und mehr Ruhezeiten im Schatten eingelegt. Aber wir sind ja in diese Gegend gefahren, weil wir viel sehen und kennenlernen wollten. So haben wir auf Wanderungen verzichtet und uns ins Auto mit Klimaanlage gesetzt. Wir haben noch ein paar – wie nicht nur wir finden – wunderschöne Orte besucht. Da diese Orte schon vielfach beschrieben sind, habe ich mich auf nur wenige Fotos beschränkt.

sentier des ocres in Roussillon

Der erste Ort ist Roussillon. Er ist das Zentrum des Ockers. Dafür wird Gestein abgebaut, gemahlen und in einem aufwändigen Verfahren der Farbstoff herausgelöst. Das Foto oben zeigt die Variation der Farben in dem Gestein; ich habe es auf einem kleinen Rundgang (sentier) mit vielen Treppen geknipst. Im Morgenlicht waren die Farben besonders im Kontrast mit dem Grün sehr leuchtend.

Heute hat sich der Ort nicht nur auf die Pigmentproduktion spezialisiert, sondern in vielen Läden werden Pigmente und fertige Farben aller Art für den malerisch inspirierten Touristen angeboten. Dass diese Farbe schon immer eine Rolle gespielt hat, sieht man daran, dass alle Häuser noch rötlich-brauner gestrichen sind als in den anderen Orten der Provence. Dort geht die Farbpalette ja mehr ins gelb-beige.

Bergstadt Gordes

Gordes liegt nicht weit entfernt von Roussillon, hat aber einen deutlich anderen Farbton. Nicht überraschend zählt es zu den plus beau villages de France, den schönsten Dörfern Frankreichs. Und wir finden, das stimmt auch. Natürlich wird das auch touristisch ausgeschlachtet. Daneben überraschte uns aber noch dieses:

An verschiedenen mal mehr, mal weniger auffälligen Wänden sind Werke von Victor Vasarely platziert. Bevor der Künstler sind in Aix-en-Provence niederließ (siehe Artikel darüber weiter unten), hat er eine Weile in Gordes gelebt und gearbeitet. Das zeigt man seinen Besuchern natürlich gerne.

Bei angemessenem Wetter hätte man die nächste Station auch von Gordes aus zu Fuß erwandern können. Wir haben halt die kurvige (Einbahn-)Straße genommen, um zum Zisterzienserkloster Senanque zu gelangen. Die Führung durch die kühlen Klosterräume war recht angenehm und interessant.

Kloster Senanque

Foto Senanque

Kloster Senanque

 

Dieses Foto gleicht dem auf und in unserem Reiseführer. Es sieht nur weit weniger professionell aus, weil der Lavendel noch nicht voll aufgeblüht ist. Nur wenn man flach über die Felder schaut, kann man schon den Hauch des Lavendel-Lila erahnen. Aber er duftet schon etwas. Genau das will ich euch damit zeigen; wir sind noch etwas zu früh da. Sollte man doch noch etwas später hinfahren? Dann ist die Hitze aber auch garantiert.
Gestern an der Autobahn haben wir noch ein paar kräftig lilafarbene Felder gesehen. Das konnte ich aber so schnell nicht knipsen. Müsst ihr mir also einfach glauben.

Damit geht unsere Reise schon auf ihr Ende zu. Wir werden nach einem Zwischenstopp bei der jungen Familie in Etappen wieder nach Lippe reisen. Die Berichte über die verschiedenen Autobahnabschnitte und die Übernachtungsplätze erspare ich euch.

 

P.S.:

Als Nachtrag kommen dafür hier noch ein paar Bilder die nicht einem bestimmten Ort zugeordnet werden sollen oder können, sondern wie die Aufnahmen der Dörfer auf den Bergspitzen (davon gab es schon genug) uns immer wieder begegnet sind.

Dekoration der Fußgängerzonen

Jeder Ort dekoriert seine Geschäftsstraßen, ob mit Wimpeln, Regionalflaggen, Schmetterlingen, Traumfängern, oder hier in Carpentras mit Schirmen, die offensichtlich von Schulklassen gestaltet wurden.

„Hier beginnt das Meer. Nichts hineinwerfen.“

Genug der Postkartenidylle: Hier wird an das Umweltgewissen appelliert. Diesen Hinweis fanden wir in mehreren Orten neben Regenwasserroste auf den Asphalt gemalt. Dabei liegen diese Orte nicht an der Küste, sondern ein Stück weit im Binnenland. Aber ihre Flüsschen führen natürlich ins Mittelmeer.

Solche Aufkleber in den Eingangsbereichen von öffentlichen Gebäuden und Supermärkten erinnern vage daran, dass Covid noch nicht vorbei ist. Aber kaum jemand nimmt diese Hinweise noch zur Kenntnis, ebenso wenig wie die bitten, eine Maske zu tragen.

TL;DR:
In der Provence ist es schon heiß und der Lavendel blüht gerade auf.

 

Avignon – in den Palast und um die Brücke

Unser nächster Tagesausflug ging nach Avignon. Hier haben wir uns entschieden, mal mit dem Zug zu fahren. Der Regionalexpress geht durch unseren Nachbarort Monteux, wo es gute Parkmöglichkeiten am Bahnhof gibt. Zugfahren ist wie in Deutschland, nur auf die Minute pünktlich.So freundlich und offen empfängt Avignon seine Gäste, die aus dem Bahnhof Avignon Centre kommen.

Die ganze Stadt ist umgeben von einer gewaltigen Stadtmauer; aber zum Bahnhof hin klafft ein breites Tor. Wir begaben uns gleich quer durch die Innenstadt zum Palais des Papes. Wir wollten den Palast vor dem Hauptansturm der Busgruppen erkunden. Das hat auch geklappt.

Die Anlage ist so groß, dass sie nicht ganz auf ein Foto passt.

Der Papstpalast, der eigentlich aus zwei aneinander grenzenden Burgen besteht, war im Mittelalter eine Zeit lang der Sitz des Papstes. Die historischen Zusammenhänge und Verwicklungen kann man besser im Geschichtsbuch nachlesen. Wir konnten dieses historische Riesengemäuer selbstständig mit Hilfe einer Tabletführung erkunden. Es ist ja ganz interessant, die (vermutete) originale Ausstattung der Säle zu sehen und dann zu Details Zusatzinformationen eingeblendet zu bekommen. Aber durch die einem mäßigen Computerspiel (auch mit einer Art Schnitzeljagd drin) ähnelnde Aufmerksamkeitslenkung tapst man eher durch eine virtuelle Welt als durch das reale Gemäuer. Ich musste mich immer wieder bewusst von dem Spielzeug lösen, um auch die Spuren der Zeit und der baulichen Veränderungen wahrzunehmen und auf mich wirken zu lassen..

Diese Innenaufnahme zeigt den realen Zustand nur eines der großen Säle. Hier fand das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes statt. (Details bitte selbst nachlesen)

Der Papstpalast schmiegt sich an einen Felsenhügel, der ihn von der Rhône trennt. Wir haben den Hügel wegen der Hitze nicht erklommen, sondern sind drum herumgegangen – und landeten direkt am Anleger einer kleinen kostenlosen Personenfähre, mit der wir über den Fluss setzten.

Natürlich war mal wieder ein Teil der Hauptsehenswürdigkeit wegen Renovierung verhüllt.

Beim Spaziergang entlang des gegenüberliegenden Ufers bekamen wir einen schönen Überblick über die Gesamtanlage vom Papstpalast am rechten Rand über den Felsenhügel und im Anschluss daran die Pont-Saint-Bénézet. Diese Brücke ist übrigens gemeint in dem Lied „Sur le pont d‘Avignon on y danse … “. Sie stammt auch schon aus dem Mittelalter und war seinerzeit eine der längsten Brücken. Auf einem der Pfeiler hat man sogar noch eine Kapelle gesetzt. Aber die Brücke überstand diverse Kriege und Rhônefluten nicht. Irgenwann hat man sie nicht wieder repariert, und heute endet sie in der Flussmitte.

Wir haben übrigens keinen dieser Brückenbesucher tanzen gesehen.

Avignon hat natürlich noch mehr zu bieten als die mittelalterlichen päpstlichen Hinterlassenschaften. Einen Teil haben wir uns ansehen können, den Rest könnt ihr aber wieder in der Reiseliteratur nachlesen. Nur ein Bild will ich euch nicht vorenthalten, weil uns der Kontrast du dem grandios Großstädtischen dort so gut gefallen hat. Im Schatten der Platanen ließen sich die 36° ganz gut aushalten.

Rue des Teinturiers (Färberstraße)

Erst bei der Abreise haben wir dann das Klavier gesehen. #piano en gare ist eine Initiative der staatlichen französischen Eisenbahngesellschaft SNCF. Nach dem Erfolg einer früheren Aktion hat man jetzt – nach der Corona-Pandemie wieder in 51 Bahnhöfen solche Pianos aufgestellt. Auf youtube gibt es eine ganze Reihe von Hörbeispielen.

TL; DR:
Im Mittelalter haben die Päpste in Avignon viel gebaut.

 

Aix en Provence

Das Faible der Franzosen für futuristisches Design ist uns schon in vielen unserer früheren Besuche in ihrem Land begegnet; aber so einen Bus hatten wir noch nicht gesehen.

“l‘aixpress“ an seiner Ladestation

Mit diesem spaceigen Gefährt haben wir uns vom ebenso spaceigen Parkhaus am Stadtrand ins Zentrum von Aix-en-Provence kutschieren lassen. (wieder mal unglaublich günstig) In Aix stellt man wohl den gesamten städtischen Fuhrpark auf E-Mobilität um. Jedenfalls sahen wir nicht nur Busse jeder Größe sondern auch auffällig viele andere städtische Servicefahrzeuge als E-Mobile.

Im Zentrum ging unser Weg – wie meistens – zum Office du Tourisme, um einen Stadtplan mit Basisinformationen und/oder Stadtrundgang und hier in Aix auch noch mit einigen weiteren Tipps am Schalter zu versorgen. Um das erste Highlight zu entdecken, brauchte Rüdiger aber nicht einmal den Stadtplan. Direkt vor ihm lag die Rotonde, ein großer Platz mit Kreisverkehr um einen imposanten Brunnen.

der Brunnen auf der Rotonde (fast) ohne Kreisverkehr

Dann genossen wir erst mal ausgiebig das Flair der Stadt mit großer Promenade (Cours Mirabeau), vielen bedeutenden alten Baudenkmälern und Plätzen, Straßencafés und-Restaurants für jeden Geschmack … .

Schließlich haben wir eine Ruhepause im Garten des Pavillon de Vendôme eingelegt. Hier seht ihr ein Detail dieses repräsentativen Adelspalastes, einen der beiden den Eingang umrahmenden Atlasfiguren. Leider ist nicht überliefert, was ihm die Kopfschmerzen bereitet, das Gewicht des steinernen Überbaus oder das Verhalten der Menschen, die er beobachtet.

Nach so viel Freiluftaktivität bedurften wir eine Weile in wohl klimatisierten Innenräumen. Auch da bietet Aix eine große Vielfalt. Wir entschieden uns hierfür:

Die Fondation Vasarely bewahrt und verwaltet das künstlerische Erbe Victor Vasarelys, einem Meister des grafischen Designs. (Wer schon mal bei uns war, hat vielleicht eines einer Bilder als Poster im Flur hängen sehen.) In diesem Museum, das von dem Künstler selber mit gestaltet wurde, kann man einen tiefen Einblick in seine Theorie und Arbeitsweise erhalten. Die Exponate reichen von handschriftlichen Notizen und Skizzen über viele Druckentwürfe, in Öl und Acryl handgemalten grafischen Designs in üblicher Bildgröße bis hin zu sechs Räumen mit diesen riesigen Werken, die mit sehr unterschiedlichen Materialien von Farbe auf Karton, über Papierstreifen, Keramik, Emaillemosaik, Metall bis hin zu Wandteppichen produziert wurden.

Zum Größenvergleich beachte man die vier Sitzbänke für je 6-8 Personen am unteren Bildrand.

Nach so viel Stadt haben wir uns für den Rückweg wieder eine kleine Rundtour „über die Dörfer“ gegönnt. Dieses Mal ging es durch den Luberon (Mittelgebirge). Und weil es so schön war, gibt es zum Abschluss noch ein Postkartenbild vom Zwischenstopp in Bonnieux.

TL;DR:
Aix en Provence ist mehr als eine Reise wert und auch der Luberon lohnt mehr als einen Umweg.

Luftiger Glockenturm und monumentales Theater

Jetzt sind wir mitten in der Provence angekommen. Unser Wohnwagen steht in Pernes-les-Fontaines. Diesen Namen hat die Stadt erhalten, weil im 18. Jh. ca. 40 Brunnen über die Stadt verteilt angelegt wurden. Der Ort selbst ist aber schon wesentlich älter. Er hat den sonnigen Charakter einer typischen südfranzösischen Stadt und einen sehr gut bestückten Wochenmarkt. Außerdem hat er eine Burg(ruine), deren Bergfried zu einem Uhrenturm umfunktioniert wurde.

Pernes-les-Fontaines – Uhrenturm Man beachte die Katze und die Maus auf dem Windrichtungspfeil.

Ich habe gelernt, dass diese Art von Glockenhaube hier in der Gegend wohl typisch ist. Denn hier weht häufiger der Mistral, ein starker bis stürmischer Fallwind das Rhônetal hinab; und so eine luftige Glockenaufhängung bietet dem Wind weniger Widerstand.

Blick in das römische Theater von Orange

Unser erster Ausflug ging ins nahe gelegene Orange zum besterhaltenen römischen Theater. (selbstverständlich UNESCO-Weltkulturerbe) Die Sitzreihen sind allerdings aus der Neuzeit. Man hat sie wieder hergerichtet, nachdem das Areal zwischenzeitlich als mittelalterlicher gut geschützter Siedlungsplatz genutzt worden war. Auch die Augustus-Statue wurde erst viel später (wieder ?) ausgegraben und oben in der Wandnische über der Bühne platziert.

Die Statue des Kaisers Augustus grüßt das Auditorium von weit oberhalb der Bühne.
Die Seile an den Rändern sind die Aufhängung für die Bühnenlautsprecher und -beleuchtung.

 

Mit unserer Besichtigung mussten wir uns etwas sputen, weil an diesem Abend noch ein großes Chorkonzert angesagt war. Letzte Instrumentalproben und der Soundcheck liefen noch, und auch die obligatorischen Feuerwerkeffekte wurden noch getestet. Dafür hatten wir während des gesamten Rundganges eine durchaus angenehme Musikbegleitung.

Stellprobe des Chores für den Abend

Auch in Orange steht natürlich wie vielerorts ein Triumphbogen – von den Römern gebaut und später überarbeitet und restauriert. Unser Reiseführerautor Ralf Nestemeyer schreibt allerdings, dass die Bezeichnung „Triumphbogen“ unzutreffend sei, weil Triumphzüge nur in Rom abgehalten wurden. (Das weiß ja jeder schon aus Asterix.) Als Alternativbezeichnung schlägt er vor: „Stadtgründungsmonument“.

Arc de Triomphe d‘Orange

TL; DR:
Die Maus läuft über die Glocke von Pernes und die Römer hinterließen Monumentales in Orange.