Natürlich haben wir auch auf dieser Tour nicht ganz auf touristische Highlights verzichtet und ein paar Städte besucht, die im Straßenatlas mit zwei Extrasternchen versehen sind. In der Stadt Quimper waren wir tatsächlich vorher noch nie; und Locronan und Concarneau kann man sich ruhig nach über dreißig Jahren noch einmal ansehen.
Quimper

Je größer die Stadt, desto größer die Anzahl der Hinweisschilder. Dazu kommt dann noch die konsequente Zweisprachigkeit in französisch und bretonisch. Nur wenige bretonische Namen haben gar keine „Übersetzung“ ins Französische bekommen. Es brauchte schon etwas Gewöhnung, bis ich raus hatte, welche Hälfte der Schilder ich tatsächlich lesen musste, um die passende Abzweigung zum nächsten Ort oder den richtigen Parkplatz nicht zu verpassen.
Nachdem wir unser Auto sicher abgestellt hatten, kamen wir als erstes zum Odet, der durch die Stadt fließt. Etwa alle fünfzig Meter führt eine blumengeschmückte Fußgängerbrücke über den Fluss. Wir konnten uns kaum entscheiden, welche wir nehmen wollten.

Aber wir mussten hinüber, weil wir ja in die Altstadt gehen wollten.
Natürlich sind auch entlang der Mauer Blumenbeete angelegt. Man muss ja schließlich seinen Status als “ville fleurie“ verteidigen.
Reste der Stadtmauer, die die Altstadt einst umgab, sind noch erhalten. Direkt dahinter steht die Kathedrale, ein recht hübsches Exemplar ihrer Art. Noch interessanter als von außen fand ich die Kirche von innen.
Kein Knick in der Optik, sondern in der Kirche!
Für dieses Foto habe ich mich genau mitten in den Mittelgang des Hauptschiffes (mit dem rosafarbenen Deckengewölbe) gestellt. Der hintere Teil (weißes Deckengewölbe) mit dem Altar ist leicht schief nach links weitergeführt. Ich habe mehrere mögliche Erklärungen dafür gelesen, eine nicht mehr einleuchtend als die andere. Die Baumeister können wir leider nicht mehr fragen.
Haus der Fayencen
Dieses Haus – es steht gegenüber der Kathedrale – ist über und über mit Fayencetellern und -fliesen geschmückt, und drinnen werden sie auch in großer Zahl verkauft. Sie werden seit dem 17. Jahrhundert in einer Fabrik am Stadtrand produziert, und sie sind auch überregional bekannt und beliebt. (siehe auch Hausnummern in einem früheren Beitrag)
In Quimper habe ich zum ersten Mal hier im Finistère auch Fachwerkhäuser gesehen, die teilweise noch aus dem Mittelalter stammen. Ansonsten ist in dieser Region der graue Granit der vorherrschende Baustoff für Gebäude und Mauern aller Art. Auch bei Neubauten wird er oft noch verwendet, zumindest als dekorative Tür- und Fensterumrahmung. Echt alte Gemäuer erkennt man an den unregelmäßigen Bruchsteinen.
Locronan
Von Quimper ist es nicht weit nach Locronan, einem absoluten Gegenbeispiel.
Zugangsstraße nach Locronan
Locronan ist eine Kleinststadt, die sich ihr mittelalterliches Erscheinungsbild bewahrt hat und es vermarktet. Autos müssen außerhalb parken (es ist aber alles gut zu Fuß zu erreichen), es gibt keine Werbetafeln, modernen Laternen etc. Der Ort wird auch gerne als Kulisse für Historienfilme benutzt. In diesem alten Bereich kommt man sich tatsächlich wie in einem geschäftstüchtigen Freilichtmuseum vor; es gibt nur Touristenläden und Galerien und entsprechende Gastronomie.

An einer Ecke des Hauptplatzes hat sich dieser Holzschnitzer platziert. Er schnitzt aber hauptsächlich für Fotos, die er sich mit einem Euro bezahlen lässt. (Wie ihr seht, hat er den auch bekommen.) Allerdings hatte er wenig zu tun; es ist halt Nebensaison.
Concarneau
Ville Close, die Altstadt von Concarneau
Die Attraktion der kleinen Küstenstadt Concarneau ist ihr als Festung ausgebaute Altstadt auf einer Insel mitten im riesigen Hafen. (überwiegend Fischereihafen) Die Festungsmauer ist noch komplett erhalten und man kann größtenteils auf ihr entlang gehen.
Dieses Foto wurde von einem Wehrturm aus geknipst; den Fußweg sieht man nicht,weil er hinter der Mauer geschützt verläuft.
Von dort oben hat man zum einen einen guten Blick auf die (neuere) Stadt und den Fischereihafen mit angrenzenden Hallen. Die Fischer von Concarneau gehen hauptsächlich auf Thunfischfang bis vor die afrikanische Küste und die Seychellen; aber auch Makrelen- und Sardinenfänger gibt es viele. Bekannt ist die Stadt für ihre Konservenfabriken, die den Fisch dann in Öl oder in allerlei Soßen einlegen, ihn zu Brotaufstrich oder Rillette verarbeiten und das alles in Dosen und Gläsern an den Mann, die Frau und die Touristen bringen. In der Ville Close gibt es mehrere Läden, die sich nur auf Fischkonserven spezialisiert haben.
Blick von der Mauer in die romantische Altstadt
Die Ville Close ist – ähnlich wie Locronan – ausschließlich dem Tourismusgeschäft gewidmet. Das führt dazu, dass in der Nachsaison die Hauptstraße am späten Vormittag so aussieht:
Später war noch etwas mehr los, aber voll war es noch lange nicht. Vielleicht lag es aber auch am bedeckten Wetter, das nicht so viele Leute nach draußen lockte. (Warm genug war es immer noch.)
Wir haben schon viel besichtigt und zahlreiche Strandspaziergänge absolviert. Entlang der gesamten (!) bretonischen Küste verläuft der „sentier douanier“, der Zöllnerpfad. Angeblich sind die Zöllner früher dort Streife gegangen. Der Weg führt, soweit Klippen das zulassen, immer direkt an der Küste entlang und ist nur für Fußgänger geeignet. Das macht ihn zu einem hervorragenden Wander- und Spazierweg, auch gut um die leckeren bretonischen Plätzchen und anderen Spezialitäten ‚abzuarbeiten‘.
Der extra schöne Spätsommer macht gerade Pause. Das gibt uns den Anlass, mal wieder aufzubrechen. Wir werden in Etappen zurückfahren. Wir werden noch ein paar Tage in den Niederlanden verbringen, denn wir haben ja ein auch Geburtstagsgeschenk ‚abzuarbeiten‘. Davon kann ich euch dann wieder live bei unserem Wiedersehen berichten.
TL; DR:
Die drei Städte sollte man mal gesehen haben. Et „au revoir“.