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Good-bye Greece

Die Wochen in Griechenland sind wie im Fluge vergangen; jetzt ist schon die Zeit gekommen Abschied zu nehmen und noch einmal zurückzublicken. Dafür habe ich einige Fotos gesammelt, die nicht mit bestimmten Ausflugszielen verbunden sind, sondern die wir an vielen Orten so aufnehmen konnten.

Während wir Mitteleuropäer im Sommer dankbar sind für jeden Sonnenstrahl, den wir erhaschen können, ist man im Mittelmeerraum genauso dankbar für jeden luftigen Schattenplatz. Manche Campingplätze haben da Glück (oder die lange, weise Voraussicht) hohe Schatten spendende Bäume auf ihrem Grundstück zu besitzen. Andere haben diese Alternativlösung erfunden.

Schattendach überm Stellplatz

Manchmal haben wir noch Schattendächer aus Schilfstrohmatten gesehen, aber häufiger sind diese feinen Schattennetze. Sie lassen etwas Licht (und etwas Sprühregen) durch, sind recht leicht und haltbar. Die Gestelle, an denen sie angebracht sind, sind auch hoch genug für die neueren Riesenmobile. Dauercamper nutzen diese Netzlaken nicht nur als Dach über ihrem Stellplatz, sondern manchmal sogar für Wände. Das wirkt dann unheimlich duster. Andererseits werfen Schattenbäume viel Laub und manchmal auch kleine Insekten ab, und ihre Äste stören beim Rangieren.

Auch in den Sanitärgebäuden gab es manch Überraschendes. Oft waren sehr edle Fliesen oder gar Marmor verbaut; überall war vor Saisonbeginn alles intensiv frisch gestrichen. Aber bei genauerem Hinsehen war vieles schon wieder ein bisschen abgerockt. Hier und da hätte eine neue Schraube Wunder gewirkt. In den Duschen fehlte oft eine Halterung für den Duschkopf; auf manchen Plätzen war sie nicht einmal abgebrochen, sie war nie vorgesehen gewesen. Andererseits ist das eine effektive Maßnahme zum Wasser sparen; denn wer will schon Marathonduschen, wenn er den Duschkopf die ganze Zeit selbst über sein Haupt halten muss. Beim Gang zur Toilette mussten wir uns auch umgewöhnen.

Ein solches Schild findet man in -zig Variationen auf jeder Toilette im Land.

Das liegt an dem Durchmesser der Abflussrohre, die wohl sonst zu oft verstopft wären. Die für das Papier bereitstehenden Eimer wurden aber häufig entleert. Überhaupt können sich von der Sauberkeit der Anlagen viele andere Länder was abgucken.

Warmwassertank

Auf vielen Dächern sieht man solche solarbetriebenen Warmwasserbereitungsanlagen. Sie funktionieren sehr einfach und sind eine kostengünstige Warmwasserversorgung für jeden Haushalt und Betrieb. Neben den Wassertanks stehen natürlich Schornsteine auf den Dächern. Jeder hat eine Abdeckung, entweder ein gemauertes Dach oder ein Blech mit einem Windfederblech. Letzeres ist meistens ein schlichtes Blech, das so gebogen ist, dass es von Ferne an einen Vogel erinnert. Manchmal ist es aber auch etwas künstlerisch überarbeitet.

Schornsteinvogel

Diese Aufsätze können sich mit dem Wind drehen und bieten dadurch einen besseren Rauchabzug.

Noch ein bauliches Phänomen ist landestypisch, die Zählerkasten an der Hauswand. Zuerst waren sie uns nur an alten, zum Teil auch schon verfallenden Häusern aufgefallen. Aber in kleineren Orten gibt es auch ganz neue funktionstüchtige Modelle direkt neben dem Briefkasten neben der Haustür oder dem Hoftor.

Uns hat das an die von der Straße zugänglichen Wasserruhren in australischen Vorgärten erinnert.

Dass es sehr viele große, kleine und kleinste Kirchen und Klöster in Griechenland gibt, habt ihr ja schon in den vorhergehenden Beiträgen erfahren. Die Religiosität der Bevölkerung äußert sich auch in den zahlreichen Betstöcken am Straßenrand. Darin stehen Kerzen (manchmal brennende), Blumen und Ikonenbilder.

typischer Betstock am Straßenrand

Sie werden gestiftet, um an einen beim Unfall Verstorbenen zu erinnern oder auch als Danksagung für ein glückliches Überleben. Manche sind aus dünnem Blech gefertigt. Meistens stehen sie auf einem Ständer oder Stiel, manche sind auch aufwändig gemauert. Die meisten stammen aber aus Massenproduktion wie der auf dem Foto. Man kann sie im Baumarkt in verschiedenen Größen mit roten oder blauen Dächern kaufen. Man sieht also ähnliche Modelle immer wieder.

Auch das sahen wir häufig an Straßenrändern.

Während in Südfrankreich Straßenschilder häufig von den Schießkünsten der Dorfjugend zeugen, zeugen sie in Griechenland von ihrer Stickermanie. Mit Vorliebe werden die informationsträchtigen Stellen überklebt, zum Beispiel die Zahlen auf Geschwindigkeitsbegrenzungsschildern oder Namensteile oder Pfeile auf Wegweisern. Das kann für Ortsunkundige schon lästig sein.

Tieren begegnet man häufig an und auf Griechenlands Straßen. Eine Schaf- und Ziegenherde hatte ich euch ja schon vorgestellt. Aber alle die Hunde- und Katzenfotos kann ich hier nicht einstellen.

auf einer Straße mitten in Archaia Olympia

Ganz offensichtlich herrenlose Hunde leben in Städten und Dörfern; aber auch in den Bergen weitab jeglicher Siedlungen bellte unserem Auto ein Rudel nach. Wir haben insgesamt mehr Hunde als Schafe oder Ziegen in den Bergen gesehen. Sogar auf einigen Campingplätzen streunten einzelne Hunde und übten den Bettelblick. Allgegenwärtig waren auch Katzen. Sie hatten offensichtlich mehr Glück beim Betteln. Vor dem Lidl schleckten schon mal drei Katzen eine Packung Katzenfutter leer. Und auf allen Campingplätzen lebten eine ganze Reihe von Katzen offensichtlich ganz gut von den Campinggästen.

Wer kann denn schon diesem Blick widerstehen?

Ihr habt schon gelesen, dass uns die Blütenpracht des Frühlings (nicht nur in der Mani) beeindruckt hat. Vieles ist jetzt verblüht und entwickelt Samen und trocknet. Nur der Mohn malt noch immer Farbtupfer an die Straßenränder. Dafür blüht jetzt gerade der Oleander auf. Das bedeutet, der Sommer fängt an.

Oleanderbaum in Igoumenitsa

Das ganze Jahr über – und viele Jahrzehnte und Jahrhunderte lang – prägt eine Kulturpflanze ganz Griechenland, der Olivenbaum. Er wächst überall auch unter Bedingungen, wo andere Arten schon längst ihre trockenen Äste von sich gesteckt hätten. Und dabei wächst er und trägt noch Früchte, wenn man schon meinen könnte, er müsste längst abgestorben sein.

Olivenbaum in Kardamyli

Andere Kulturpflanzen findet man in größeren Maße nur in den wenigen Tälern und an den Küsten im Bereich von Flussmündungen. Dort kann man bewässern und mit Maschinen wirtschaften. Dort stehen auch zahlreiche begehbare Folientunnel, in denen zum Beispiel Anfang die Erdbeeren für deutsche Supermärkte geerntet wurden. Der größte Teil Griechenlands ist aber Gebirge, auch Hochgebirge, das den Vergleich mit den österreichischen Alpen nicht zu scheuen braucht – nur dass Österreich keine Felsenküsten und Strände hat. Man kann tatsächlich morgens Bergwandern und nachmittags im Meer baden.

Jetzt heißt es „Good-bye Greece“ mit einem Schild, das an jeder Autobahnausfahrt steht.

TL; DR:
Auch an den Straßenrändern gab es viel Bemerkenswertes zu entdecken.

 

Meteora – dem Himmel so nah

Fotostopp der Reisebusse

Was gibt es wohl zu sehen – und zu fotografieren, wenn Reisebusse anhalten, alle Leute aussteigen und auf einen Felsen oder (an anderer Stelle) eine Aussichtsplattform klettern? Eine der Top-Sehenswürdigkeiten in Griechenland und ein absolutes Muss für Touristen aus aller Herren Länder, die Meteora-Klöster.

Kloster Agia Triados (Heilige Dreifaltigkeit)

„Meteora“ heißt soviel wie „in der Luft schwebend“. Die Klöster schweben auf seltsam geformten sehr steilen, sehr glatten Felsen. Solche Sandsteinformationen, die quasi aus der Ebene und dem Hang wachsen, hatte ich selbst als Geografin noch nicht gesehen.

Kloster Agios Stefanos – Dahinter erkennt man die Flussebene, aus der die Felsen „wachsen“.

Im 11. bis 13. Jahrhundert begannen Mönche, sich oben auf den Felsen anzusiedeln, um dem Himmel näher und möglichen Verfolgern ferner zu sein. Insgesamt sind über zwanzig solcher Felsespitzenbesiedlungen nachgewiesen; heute sind noch sechs Klöster aktiv, das heißt von Mönchen bzw. Nonnen bewohnt.

Kloster Megalo Meteoro (das Große Meteoro)

Megalo Meteoro (oder auch „Metamorphosis tou Sotiros“) ist das größte und am höchsten gelegene. Wenn man dahin will, muss man sich schon ein bisschen anstrengen.

Alle wollen hinauf – und nachher wieder hinunter.

Vom knapp dimensionierten Parkplatz aus geht man erst einmal 118 Stufen hinab und dann wieder 157 Stufen hinauf, bevor man zur Eingangspforte kommt, Eintritt bezahlt und einer Kleidungskontrolle unterzogen wird.

So kann es jeder verstehen.

Keiner wird in unangemessener Kleidung (schulterfreie Shirts, Shorts; Frauen in Hosen) hineingelassen. Am Eingang gibt es Schals für die Schultern und Schürzen oder große Tücher als Rockersatz. Viele Touristinnen sind aber schon vorgewarnt und sind gleich in einem angemessenen Kleid angekommen. Wir haben insgesamt vier Klöster besucht, und bei allen war das Prozedere ähnlich. Aber die Größe und die Atmosphäre waren doch recht unterschiedlich. Im Inneren der Klöster kann sich selbstständig bewegen und wird durch Hinweisschilder gut geleitet. Es sei denn, man gehört einer Busreisegruppe an; dann muss man natürlich seinem autorisierten Guide mit dem fähnchen folgen. Allerdings kommt man nur in einen kleineren Teil der Anlage; schließlich brauchen die Mönche ihre Privatsphäre.

Stellvertretend möchte ich euch das Kloster Varlaam vorstellen. Dieses Kloster hat uns am besten gefallen. Es gab viel Blumenschmuck und die ganze Anlage war sehr liebevoll gepflegt und instandgehalten.

in einem Innenhof des Klosters Varlaam

Wenn man die rechte Hälfte des Fotos verdeckt, könnte man sich auf einem Landgut in der Toscana wähnen. Die rechte Hälfte zeigt die Hauptbasilika. Hier kann ich euch nur den schlichten Vorraum zeigen.

schlichter Vorraum der zentralen Basilika von Varlaam

In den Kirchen und den Museum herrscht Foto- und Filmverbot, das von dem Personal auch strikt durchgesetzt wird: „No photos, please.“ Wer also die Wandmalereien (keine freie Fläche!), die prachtvollen Ikonen und Leuchter in den sehen will, muss selbst herkommen. Es gibt dann evtl. ein paar Postkarten im Klostershop davon zu kaufen. Aber die können die Wirkung im Raum nicht wirklich wiedergeben. In dem Museum sind dann noch viele Kostbarkeiten ausgestellt, die manchem staatlichen Museum zur Ehre gereichten. Das reicht von Handschriften und Verträgen über in Silber geschmiedetes liturgisches Gerät zu goldbestickten Bischofsgewändern – alles original Jahrhunderte alt natürlich.

An der Wand hängt ein Netz, in dem früher Waren und Mönche mit der Seilwinde heraufgezogen wurden.

Treppen sind erst ein moderner Luxus der letzten hundert Jahre. Vorher musste alles, was an Baumaterialien und Lebensmitteln benötigt wurde, per Seilwinde hinauf geschafft werden. Es gibt sogar noch Bilder davon, wie ein Mönch in so einem Netz transportiert wurde. Das gewährleistete schon eine gute Kontrolle und Abgeschiedenheit des Lebens im Kloster. Heute gibt es die Treppen und für Lasten auch eine Seilbahn, die Platz für drei oder vier Menschen (stehend) bietet. Sie steht nur den Bedürfnissen des Klosters zur Verfügung; Besucher müssen schon die Treppen steigen.

Klosterruine

Dass nicht alle Klöster und Einsiedeleien bis in die heutige Zeit überlebt haben, ist bei den Bedingungen kein Wunder. Die heute noch bestehenden Erwirtschaften sicherlich einen erheblichen Betrag ihres Unterhaltes durch die touristischen Besucher. Aber die Museumsläden sind erfreulich dezent ausgestattet mit kleinen Ikonen, Schmuck (vor allem Kreuze), Broschüren und ähnlichem. Es gibt auch keinerlei Gastronomie dort oben (nur einmal haben wir einen Getränkeautomaten gesehen). Das steht in krassem Gegensatz zu den Verkaufsständen am Parkplatz mit Snacks, Getränken und grellbuntem Nippes aller Art.

Eingangsbereich unseres Campingplatzes

Die zahlreichen meistens einzeln stehenden Felsen prägen das Landschaftsbild, auch wenn sie nicht besiedelt sind. Heutzutage sind sie ein Mekka für Klettersportler. Auf unserem Campingplatz konnten wir mehrere dieser Kletterer beim Fachsimpeln und beim Seile und Karabinerhaken sortieren beobachten.

Nach unserem Aufenthalt in Kalambaka-Kastraki bei den Meteora-Klöstern haben wir einen Zwischenstopp in Ioannina eingelegt. Die Stadt, die am Pamvotida-See liegt, wurde durch die Herrschaft der Osmanen geprägt.

Altstadtgasse in Ioannina

Die Stadt war einst ein Zentrum der Silberschmiedekunst, und das wirkt auch heute noch nach. Noch nie habe ich so viele Schmuck- und Juwelierläden in so großer Dichte gesehen. Besonders berühmt sind die Ioanniner Silberschmiede für ihre äußerst filigrane Filigranarbeiten. Ich habe versucht, das zu knipsen, ist aber leider nichts geworden. Da müsst ihr also selber mal im Internet suchen.

Fethiye-Moschee mit dem Grabmal des Ali Pascha davor, geschmückt mit einer Ziergitterhaube

Im Burgbereich Ioanninas stehen neben dem Museum für Silberschmiedekunst gleich zwei Moscheen, die sich sehr ähnlich sehen. Deshalb reicht ein Foto. Ali Pascha, der hier begraben ist, herrschte mehrere Jahrzehnte in dieser Region und man begegnet ihm auf Schritt und Tritt. Auf einer Insel im See ist ihm sogar ein eigenes Museum gewidmet, wieder mit viel Silbergegenständen. Auch Waffen wurden reichlich mit dem Edelmetall verziert.

eins von vielen Fährbooten, die Einwohner und Besucher der Insel Nisi Ioanninon transportieren
 
Auf der Insel wohnen etwas über hundert Menschen. Sie leben vom Fischfang und Tourismus leben. Außer Ali Pascha gibt es noch sieben (!) Klöster, die aber sehr klein sind, jeweils nur ein bis drei Gebäude. Man könnte sie bequem in einem kleinen Spaziergang alle abklappern. Danach kann man sich vor der 10-minütigen Rückfahrt etwas erholen mit dem Blick über den See und einem echten griechischen Kaffee, den mit dem Prütt in der Tasse. Er wird zwar nicht mehr in den Kupferkännchen, dafür aber immer mit einer Flsche Wasser serviert.

TL; DR:
Klöster können dem Himmel nah weithin sichtbar oder auf einem Inselchen versteckt sein. Die Osmanen haben auch ihre Spuren hinterlassen.

 

 

Volos und der grüne Pilion

Das ist der Strand unseres Campingplatzes. Die Wohnwagen und Wohnmobile sind von den Bäumen verdeckt und beschattet. Es ist ein sehr einladendes und lauschiges Plätzchen zum Erholen und Auftanken nach dem Trubel der Großstadt und dem vielen Alte-Steine-gucken. Wir sind auf der Halbinsel Pilion, von der wir bis jetzt kaum etwas wussten. Sie liegt an der Ostküste des Festlandes auf halber Strecke zwischen Athen und Thessaloniki.

Wir haben Spaziergänge am Strand und in die Nachbardörfer unternommen und uns mit Milch und frischem Gemüse eingedeckt.

Minimarkt in Kato Gatzea, der fast alles hat wie ein mittlerer Rewe oder Edeka – nur weniger Platz.

Als die Beine lange genug hochgelegen hatten und der letzte Blogbeitrag hochgeladen war, haben wir doch wieder eine Tour gemacht. Denn der Pilion ist schon eine außergewöhnliche Halbinsel. Er wird auch „der grüne Pilion“ genannt; denn es gibt hier sehr viel Wasser im Boden und in den Bächen und Flüsschen, so dass die Vegetation hier sehr üppig gedeiht.

Im Extertal sieht es auch so aus – nur ohne die Straßenschäden.

Es gibt viele Arten von Laubbäumen, und nicht das einerlei der sonst üblichen Olivengärten. Das liegt auch an der Höhe des Gebirges, das diese Halbinsel bildet.

Das ist der höchste Punkt auf unserer Tour; wir sind dann rechts abgebogen und die Serpentinenstrecke hinab gekurbelt.

In. der Nähe des Passes haben wir etwas höher am Hang ein Skigebiet entdeckt mit Lift und Abfahrtsstrecken. Allerdings ist der Schnee darauf schon teilweise weggetaut. Uns wurde aber berichtet, dass es letzte Woche auf der Passhöhe nochmal geschneit hat.

Etwas tiefer auf ca. 700 m Höhe fuhren wir dann durch ein Gebiet mit vielen Obstplantagen, Äpfel, Birnen, Kirschen … . Die brauchen auch eine gute Wasserversorgung und gemäßigte Temperaturen. Das ist anderswo in Griechenland eher selten.

Apfelplantage in voller Blüte

In dieser idyllischen Bergregion leben Menschen in idyllischen Bergdörfern. Sie leben nicht nur vom Obst pflücken und Imkern, sondern auch vom Tourismus. Es gibt viele Hotels und Pensionen, z. B. für Wanderer, und Reisebusse haben die Region als Tagesausflugsziel entdeckt. Da vermarktet man eben ein idyllisches Bergdorf wie Makrinitsa als solches.

Spaziergang im Bergdorf Makrinitsa

Der Ort erstreckt sich über etwa 500 Höhenmeter am Hang. Autos uns Busse dürfen nur bis zum kleinen Parkplatz am Dorfrand fahren. Ab da geht man zu Fuß durch den Ort – aber kaum weiter als zum Dorfplatz. Entlang dieser „Hauptstraße“ reihen sich Stände und Läden mit Honig und eingelegten Früchten, mit Souvenirs aller Art und Gastronomie fast nahtlos aneinander, so dass jeder Touristenwunsch erfüllt wird. (Das habe ich schon an anderer Stelle genug geknipst.) Dazu gibt es Fotomotive mit Ausblicken auf die Landschaft bis zur Meeresbucht bis zum Dahinschmelzen. Und wer was besonderes sucht, der findet auf dem Dorfplatz mehrere jahrhundertealte Platanen, auch ein schönes Fotomotiv, besonders mit der eigenen Frau davor.

Platane auf dem Dorfplatz von Makrinitsa

Die Frau vor der Platane verdeckt, dass der Baum innen ganz hohl ist. Sie hätte sich darin bequem verstecken können. Einige Orte weiter, in Tsagkarada, steht eine ganz heile 1000jährige Platane unauffällig neben anderen jüngeren Mitplatanen. Ich finde, die hat sich gut gehalten.

1000jährige Platane in Tsagkarada

Es gibt entlang der kurvigen Straßen auf beiden Seiten des Gebirges nur sehr wenige Möglichkeiten, gefahrlos zu parken und die Aussichten und Ausblicke mal ausführlicher zu genießen und zu fotografieren. Hier ist ein Blick auf die Stadt Volos.

Blick auf die Großstadt Volos

Volos ist etwa halb so groß wie Bielefeld, also eine Großstadt, die hauptsächlich von Handel und Industrie geprägt war und ist. Deshalb gab es auch schon früh einen Eisenbahnanschluss.

Der Bahnhof Volos erinnert uns sehr an den von Oerlinghausen.

Die Eisenbahnschienen führten ursprünglich bis in den Hafen sind aber nur noch selten im Straßenpflaster wiederzuerkennen, denn die Bahn ist schon lange wieder stillgelegt. Nachdem die Stadt 1955 und 1956 durch Erdbeben fast vollständig zerstört worden war, wurde sie schnell wiederaufgebaut; dabei spielte aber Denkmalschutz keine Rolle. Deshalb errichtete man überwiegend schlichte zweckmäßige Bauten mit einem klaren rechtwinkligen Straßensystem. (siehe Foto oben) Aber Volos wurde Austragungsort bei den Olympischen Spielen 2004, und das hat deutlich zur Aufhübschung des Stadtbildes und des Straßenverkehrssystems beigetragen; zum Beispiel gibt es gute Fahrradwege.

die Fußgängerzone an einem Regentag

In Volos hatten wir einen der wenigen Regentage. Am zentralen Platz der Fußgängerzone steht die Basilika Agios Nikolaos und wegen des nieseligen Wetters haben wir sie uns auch von innen angeschaut.

Wie in jeder griechisch-orthodoxen Kirche stehen gleich beim Eingang mehrere Ikonen; an der Seite sind in dieser Kirche noch mehr davon. Während wir uns etwas umsahen, kamen gleich mehrmals Frauen mit ihrem Einkaufsbeutel mal eben rein, küssten die Ikonen, bekreuzigten sich und hielten kurz inne, ohne ihren Tasche abzusetzen; und sie gingen dann weiter ihrer Wege.

Natürlich gab es an dem Standort des heutigen Volos auch schon zu Urzeiten eine Hafensiedlung – zumindest der Sage nach. Von hier aus soll Iason mit seinen Argonauten in See gestochen sein, um das Goldene Vlies zu erobern.

Nachbildung der Argo

Eine Nachbildung dieses Schiffes steht heute als Denkmal am Hafen, und auch Straßennamen nehmen Bezug auf die Sage. Ansonsten bietet der Hafen Platz für große Frachtschiffe, Fähren zu mehreren Inseln, Yachten und natürlich Fischerboote, alle in fein säuberlich getrennten Bereichen.

In diesem Hafen lagen erstaunlich viele sehr rot gestrichene Fischerboote.

TL; DR:
Wir waren überrrascht, wie anders der Pilion ist. In Volos kann man ganz gut shoppen und Kaffee trinken gehen.

 

Unterwegs nach und in Delphi – zu den letzten alten Steinen

Nach vier Tagen im trubeligen Athen auf eine entspannte Weiterfahrt über (größere) Landstraßen durch die frühlingsgrüne Natur. Zwischen Thiva (= Theben) und Livadia kamen wir sogar durch eine Ebene mit viel Landwirtschaft auf richtigen Feldern (!) mit Getreide, Kartoffeln und Gemüse. Vorher allerdings überquerten wir mal wieder ein Gebirge, in dem noch die Spuren der heftigen Waldbrände des letzten Sommers unübersehbar waren.

Über die Feuer wurde sogar in den deutschen Medien berichtet.

Unangenehm war das Wetter. Uns erwischte eine Kaltfront mit wiederholten Regenschauern und Temperaturen zwischen 5° und maximal 10°, während ihr beim Frühstück schon im Garten sitzen konntet. Aber das Auto hat ja eine Heizung, und der Wohnwagen ebenso. Auf den Gipfeln der hohen Bergmassive wie dem Parnass liegt immer noch Schnee; am Straßenrand stehen wiederholt Schilder mit Hinweisen auf Snowboard- und Skifahrgebiete, an Steigungen auch blaue Gebotsschilder für Schneeketten. Überall stecken die zwei Meter hohen Markierungsstangen, die bei Schneeverwehungen den Straßenrand anzeigen. Das hatten wir nicht mit unseren Vorstellungen von Griechenland verbunden.

Die Straßen waren mindestens zweispurig und in gutem Zustand, die notwendigen Kurven waren breit gezogen, so dass wir auch mit dem Gespann selbst bei den Passfahrten (über 700 m) mit Serpentinen entspannt bleiben konnten. Die Orte mussten nicht mehr durchfahren werden, weil man am Rand entlang Umgehungen eingerichtet hat. Man mag vermuten, dass dafür die Nähe zur Hauptstadt und die Tourismus mit entsprechend höherem Verkehrsaufkommen eine Rolle spielen.

Und dann kam die Ortsdurchfahrt von Delphi. Die Stadt liegt sehr hoch ( ca. 500 m) am Berghang; zwei parallele Straßen (jeweils als Einbahnstraßen) führen eng zweispurig mitten hindurch. Eine Spur ist voll parkender Autos, die schmalen Gehsteige sind voller Verkaufsständer, Fußgänger sind überall. Dazwischen manövrieren Reisebusse, Wohnmobile und wir mit unserem Gespann die ca. 8%ige Steigung hinauf und – oben angekommen – gleich wieder hinunter. Wenn dann jemand ein- oder ausparken will, gibt es erst mal einen Verkehrsstau. Wir sind heil durchgekommen. Fotos gibt es aber nicht davon, deshalb die ausführliche Beschreibung.

Am nächsten Vormittag sind wir zum Einkaufen und zum Gucken eben mal in das nächste Städtchen Itea am Golf von Korinth hinunter gekurvt. Das erwartet im Sommer auch zahlreiche Touristen zum Beispiel aus Athen, aber die sind noch nicht da.

Vorsaison an der Promenade von Itea

Wir hatten uns entschlossen, den Besuch der heiligen Stätten des Orakels von Delphi auf den späteren Nachmittag zu verschieben. Denn wir hatten gehofft, dass der größte Besucherandrang mit den Reisebussen bis dahin abgeebbt wäre. Trotzdem standen wir noch eine Viertelstunde durch den Ort (siehe oben), bekamen dann aber mit Glück einen günstig gelegenen Parkplatz.

Delphi ist historisch und literarisch bekannt für sein Orakel. Demnach äußerte eine von Erddämpfen berauschte Frau (Pythia) auf Anfrage rätselhafte Weissagungen, die dann von Priestern interpretiert wurden. Diese Zeremonien fanden in einem Tempel des Apollon statt.

Im Vordergrund sieht man das Fundament des Apollontempels, dem Zentrum der ganzen Anlage, die sich etwa 200 m den Berghang hinauf zieht. Unter anderem gibt es wieder mal ein Stadion und ein Theater, mehrere Schatzhäuser, in denen geweihte Schätze aufbewahrt wurden.

Schatzhaus der Athener

Vor dem Tempel stand einst eine Säule min einer Sphinx oben drauf.

Die Sphinx befindet sich jetzt im angrenzenden Museum.

Die Hellenen stifteten nach Siegen eine bronzene Säule mit drei Schlangen. Die wurde aber im 3. Jh. n Chr. nach Konstantinopel (Istanbul) entführt, wo sie heute noch – beschädigt – steht. 2015 hat man die Säule in Istanbul kopiert und in Delphi wieder aufgestellt.

Schlangensäule in Delphi (Kopie)

Mit gutem Willen kann man die Windungen als drei Schlangenkörper deuten. Die Köpfe wurden irgendwann abgeschlagen und wohl recycelt.

Laut einer Sage ist Delphi der Mittelpunkt der Welt. Der Gott Apollon hat es herausgefunden, indem er zwei Adler in entgegengesetzte Richtungen losschickte. Sie trafen sich hier:

Der Nabel der Welt direkt vor dem Apollontempel (ebenfalls eine Kopie)

In der Außenanlage steht natürlich wieder nur eine Kopie. Das Original, das mit einer Art Netzgitter verziert ist, befindet sich im Museum nebenan.

Weil der ganze Bezirk mal wieder in extremer Hanglage angelegt ist, musste man das Gelände zum Teil terrassieren und mit stabilen Stützmauern absichern. Man beachte, wie die Steine fugenlos zusammenpassen. Das ist wahre Steinmetzkunst.

typische Stützmauer 

Als Abschluss unserer Tour zu den alten Steinen bekommt ihr noch ein Bild mit den rekonstruierten Säulen des Apollontempels.

… weils so schön ist.

Damit haben wir in fast sechs Wochen sehr viele archäologische Fundstätten und Museen besucht. Wir haben festgestellt, das sie sich in vielerlei Hinsicht ähneln. Es gibt Befestigungsanlagen, Tempelbezirke, Schatzhäuser, Theater, Stadien und natürlich Gebäude für Besucher, Handwerker und so weiter. Die Originalbauwerke sind weitgehendst zerstört, man findet meistens nur noch die Grundmauern und heruntergefallene Gebäudeteile, manche sind wieder aufgebaut. Die Nutzung unterliegt unterschiedlichen Schwerpunkten, mal der Verteidigung, mal der Götterverehrung, mal der Heilung, mal der Weissagung (oder mehrere Anlässe in einem). Das meiste war mir so nicht geläufig, das Stadion kannte ich nur von Olympia und war überrascht, so viele zu sehen, oft auch verbunden mit friedenstiftenden Zusammenkünften aus vielen Stadtstaaten Griechenlands.

Jetzt machen wir erst einmal eine Pause auf der Pilion-Halbinsel in der Nähe von Volos, bevor wir uns noch einige „jüngere Steine“ anschauen werden. Als Abschluss habe ich noch diesen Regenbogen über dem Tal von Itea für euch. Ich habe noch nie nach unten geguckt, um einen Regenbogen zu sehen.

Blick von unserem Wohnwagen aus.

TL; DR:
Delphi hat alte Steine und modernes Verkehrschaos.
 

Athen 2 – mehr als nur „alte Steine“: Was wir auch noch gesehen haben

Auf unseren Reisen haben wir schon mehrere europäische Hauptstädte besucht, die alle ihren eigenen Charakter haben. Athen ist mit geschätzten vier Millionen Einwohnern eine von den größeren. Alle Teile der Stadt, durch die wir gekommen sind, sind sehr dicht bebaut; aber es gibt keine ausgesprochenen Hochhausbezirke. Die wenigen hohen Bauten, die Wikipedia auflistet, stehen weit draußen in den Randbezirken des Ballungsraumes und gehören verwaltungstechnisch nicht mehr zur Stadt Athen. Es gab wohl eine Verordnung, dass kein Gebäude höher als 35 m sein durfte, um der Landmarke Akropolis und den anderen Bergen in der Stadt keine Konkurrenz zu machen. Die fehlende Höhe wird durch die Dichte wieder wettgemacht.

Monastiraki-Platz mit der Tzisdarakis-Moschee– natürlich sieht man von hier auch die Akropolis.

Als erstes und immer wieder haben wir den Monastiraki-Platz besucht. Er liegt mitten in der heutigen Altstadt mit den Stadtteilen Monasteraki, Plaka und Psirri. Diese muten schon fast orientalisch an – kein Wunder, denn die Osmanen herrschten in Griechenland für lange Zeit. Die Gassen sind sehr eng.

normal breite Straße in der Plaka

Hier findet man alles, was das Herz begehrt, sowohl für die Damen …

... als auch für die Herren ...

… als auch für die Touristen.

Viele Läden haben keine Schaufenster und Glastüren, sondern Rolltore, auf denen sich nach Ladenschluss angehende Graffitikünstler austoben. Dazwischen findet man Straßen mit lauter Restaurants, Cafés und Eisdielen. Da hat also man reichlich Gelegenheit, sein Geld auszugeben. Direkt benachbart findet man mal wieder eine umzäunte Ausgrabungsstätte (siehe letzter Beitrag).

Ein paar Straßen weiter kommt man sich vor wie in einem bürgerlichen Viertel einer mitteleuropäischen Stadt. Die Gebäude sind ab dem 19. Jahrhundert entstanden, als Griechenland nach seiner Unabhängigkeit einen König aus Bayern, Otto I., bekam. Der Zustand variiert je nach Besitzverhältnissen (oft unklar) beträchtlich. Hier habe ich ein Foto, das man so wohl nicht in einem Reiseführer findet.

Das klassizistische Gebäude mit den Graffiti kontrastiert mit dem auch nicht mehr ganz taufrischen Zweckbau mit den vielen Klimaanlagen. Die braucht man im Sommer halt. Noch etwas weiter geht man durch sehr gepflegten Regierungs- und Botschaftsviertel und zum schlicht repräsentativen Parlament. Davor stehen und marschieren diese Soldaten.

Wachsoldaten in traditioneller Tracht (davon gibt es verschiedene)

Sie bewachen das Grab des unbekannten Soldaten und vollführen dabei recht eigentümlich anmutende Marschierübungen. Die kann ich nicht beschreiben, aber ihr findet reichlich Videos dazu im Internet. Muss man mal sehen.

Wie ihr gemerkt habt, sind wir viel gelaufen, um so viel zu sehen. Um immer den richtigen Weg zu finden, brauchte es manchmal detektivischen Spürsinn. Es gibt in Athen keine offizielle Touristeninformation, wie wir sie aus anderen Ländern kennen, also auch keine Handkarten mit Empfehlungen für Stadtrundgänge. Auch die für Fußgänger hilfreichen kleinen Hinweisschilder zu den Sehenswürdigkeiten sucht man hier vergeblich. Also hatten wir uns vorher unsere Ziele aus den Reiseführern zusammengestellt und sind guten Mutes losgezogen. Aber die Adressen waren zum Teil nicht kompatibel mit Google Maps oder Here Maps auf dem Handy. Die Straßennamen wurden häufig geändert (je nach politischem Regime) und die Schreibweise in lateinischer Schrift ist auch recht abwechslungsreich. Aber wir sind immer da angekommen, wo wir hinwollten. Im Zweifelsfall haben wir eben jemanden gefragt.

Nach so viel Sightseeing bietet sich als Rückzugs- und Erholungsort der Nationalgarten an. Das ist ein Park, der am Eingang der klassisch-griechischen Tradition huldigt.

Palmen“säulen“ am Nationalgarten

Dahinter ist es aber wirklich sehr schön schattig und ruhig; es gibt reichlich Bänke und Stühle an den gewundenen Spazierwegen, hin und wieder die Büste eines bedeutenden Politikers, Künstlers oder Mäzens – oder einer hübschen Frau – und auch an Gewässer ist nicht gespart. In einem davon leben Schildkröten.

Warum so viele nur in diesem Teich leben und wie die dahin gekommen sind, haben ich nicht herausbekommen.

Außerhalb dieser Ruheoase allerdings ist die Stadt sehr laut. Das liegt vor allem am Verkehr. Er fließt meistens erstaunlich gut, obwohl (oder weil) griechische Autofahrer alle Zeichen außer den Ampeln eher als unverbindliche Empfehlung betrachten. Gleichzeitig agieren sie sehr rücksichtsvoll. Neben Privatautos sind unglaublich viele gelbe Taxis unterwegs. Die auffälligsten Verkehrsteilnehmer sind aber die Mopeds/Motorroller, viele davon Lieferdienste. Sie huschen überall zwischen den Autoschlangen durch und erweitern eine dreispurige Straße problemlos in eine mindestens sechsspurige.

Wir haben uns lieber auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen. Unser Auto blieb auf dem Campingplatz, vor dem direkt eine Haltestelle der Schnellbuslinie in die Innenstadt liegt. Mit einem Fünftagesticket konnten wir für unter 10 Euro mit Bus, Metro, Straßenbahn und O-Bus überall hin, ohne uns um die nicht vorhandenen Parkplätze zu sorgen. So haben wir auch einen Ausflug nach Peireias (=Piräus) unternommen und uns dort in den Häfen umgesehen. Eine Metrolinie führt bis an den Fährhafen.

Der rote Bereich ist ein zweispuriger Fußgängerweg (ca. 1000 m) um den ganzen Fährhafen herum.

Im Fährhafen ging es zu wie sonst auf einem Flughafen. Menschen mit Koffern sind unterwegs zu ihren Gates, sitzen auf den Stuhlreihen in überdachten Wartebereichen und schauen aufs Wasser ihren Fähren zu nahen oder weiteren Inseln entgegen. Die Autofähren liegen an weiteren Kaianlagen. Da muss man schon genau wissen, wo man mit welcher Fährgesellschaft wann abreisen will, um sich nicht zu verlaufen.

Außerdem legen dort auch noch Kreuzfahrschiffe an.

Aus diesem Trubel raus sind wir eine Bucht weiter marschiert, das heißt einen Kilometer quer durch die Innenstadt (bergauf und bergab) zum Yachthafen, an dem am einen Ende auch die kleinen Fischerboote lagen.

Dieser Hafen in einer ungewöhnlich großen gut geschützten Bucht war schon zu griechischen und römischen Zeiten ein hochfrequentierter Hafen für Handelsschiffe. Die Kriegsflotte lag noch eine Bucht weiter. Da sind wir nicht mehr hingelaufen.

Ich hatte ja noch versprochen, vom Aufstieg auf den Lykabettos (= Likavittos) zu berichten. Alle Reiseberichter empfehlen, auf diesen Berg zu gehen für einen unvergesslichen Blick auf die Akropolis – am besten bei Sonnenuntergang. (Schreiben die voneinander ab?) Natürlich sind wir dieser dringenden Empfehlung gefolgt. Es geht eine Seilbahn rauf. Es hat aber keiner gesagt und geschrieben, dass man die erste Hälfte des Berges steile Straßen und dann Treppen hinauf klimmen muss um die Seilbahnstation zu erreichen. Oben gibt es ein Restaurant mit Bar und eine hübsche Kirche.

Kirche des Hl. Georgios

Viele andere Touristen hatten die gleiche Empfehlung gelesen wie wir und so füllte sich der Platz dort oben sehr. Dabei fand ich die Aussicht auf die Akropolis ernüchternd. Für meine kleine Kamera war der Burgberg trotz Zooms zu weit weg für ein imposantes Foto, außerdem kam das Sonnenlicht von schräg hinten und man konnte nicht viel erkennen. Deshalb gibt es hier kein Foto davon. Viele Besucher knipsten auch eher den Sonnenuntergang mit ihren Handies (manche sogar mit Blitzlicht!) und einige applaudierten sogar, als die Sonne hinter dem Horizont verschwand – wie im Mallorcaflieger! Ich habe den Sonnenuntergang lieber indirekt fotografiert mit den symbolträchtigen Elementen für Griechenland.

Die Flagge wurde kurze Zeit später von zwei Soldaten zeremoniell für die Nacht eingeholt.

TL; DR:
Athen ist eine (fast) typische Großstadt mit ein paar Eigenheiten.

 

Athen 1 – Alte Steine

Wir haben Athen erreicht. Und wer Athen liest (oder hört), denkt gleich an die …

Schild in der Metrostation

… Akropolis, das Wahrzeichen der griechischen Hauptstadt. Aber das stimmt nur bedingt. Wir haben festgestellt, dass fast jede griechische Stadt mit einer langen Geschichte (und die haben sie alle!) eine Akropolis ihr eigen nennt; das ist nämlich einfach nur der Burgberg. Und da Griechenland aus lauter Stadtstaaten bestand, die sich oft feindlich gesinnt waren, brauchte auch jede Stadt ihre eigene Festung (wie in Deutschland, das ja auch stolz auf seine vielen Burgen ist). Und dies ist sie nun wirklich:

die Akropolis von Athen

Und weil sie so berühmt ist, wollen natürlich alle sie besuchen – wir auch. Also haben wir mal wieder die Pfade und Stufen erklommen. Dafür hatten wir ein Eintrittzeitfenster am Spätnachmittag gebucht, wenn die Busse mit den Reisegruppen schon wieder abgezogen sind. Es war auch so schon noch voll genug.

Die Propyläen sind Eingang zum Burgbezirk.

An die Größe der Festungsflächen hatten wir uns ja schon gewöhnt. Aber diese monumentale Größe allein des Eingangs zum Burg- und Tempelbezirk hat uns doch beeindruckt. Auf dem weiten Areal des Burgbergs gab es eine größere Anzahl von Tempeln und „Nebengebäuden“. Sie wurden in Laufe der (antiken) Jahrhunderte auch immer mal wieder umgebaut und umgenutzt – und auch zerstört.

Tempel der Athene Parthenon

Das Hauptgebäude ist zweifelsohne der Tempel der Athene Parthenon. Viele haben auch dieses Bild im Kopf, wenn sie „Akropolis“ sagen. Athene, die Schutzgöttin des Antiken Athen, hatte verschiedene Beinamen; heute wird ihr Tempel häufig einfach Parthenon genannt. Dies hier ist schon ihr zweiter Tempel hier oben, der erste war wohl zu mickrig. Dafür ist dieser riesig. Im Vergleich dazu ist der Eingangsbau (Propyläen) eher klein.

Heute ist man dabei, die wichtigsten Bauten auf der Akropolis unter archäologischer Betreuung in ihrem ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Wenn ihr also eine Panoramaaufnahme ohne Gerüst und/oder Kran findet, ist sie wahrscheinlich retuschiert. Man benutzt zur Restaurierung zwar die gleichen Materialien, aber die Ausbesserung ist natürlich immer zu erkennen, weil zweitausend Jahre Verwitterung nicht so einfach zu kopieren sind. Aber der Unterschied zwischen alten und neuen Elementen soll auch sichtbar bleiben.

Vorbau am Erechterion mit den Koren

Manchmal ersetzt man die alten Originalbauteile sogar durch Kopien, wie diese tragenden Frauengestalten (Koren). Die Originale stehen jetzt geschützt im Akropolismuseum nebenan – bis auf eine, die im 19. Jahrhundert nach London ins British Museum entführt wurde.

An den Hängen des Burg- und Tempelberges gibt es noch zahlreiche Ausgrabungsstätten und Gemäuerreste von Theatern, Philosophenwohnungen, Handwerkstätten usw. Das könnte man alles für den Eintrittspreis mitbesichtigen und alle Informationstafeln lesen – tut aber kaum einer, wäre auch zu viel auf einmal.

Überall in der Innenstadt stehen noch Überreste aus antiker griechischer und römischer Zeit herum. Zum Beispiel steht an einer Hauptverkehrsstraße ein Torbogen, der zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian errichtet wurde.

Hadrianstor

Außerdem gibt es noch mehrere archäologische Bereiche im Stadtkern Athens, die man jeweils für Eintritt begehen kann. Oder man schaut durch den Zaun und sieht zwar nicht alles, aber immer noch genug. Ein paar solcher Zaundurchblicke werde ich jetzt mit euch teilen. Gleich hinter dem Hadrianstor um die Ecke stand mal der allergrößte Tempel für den allergrößten der griechischen Götter, Zeus.

Überrest des einst größten Tempels in Griechenland

Es stehen nur noch wenige Säulen, ein paar Steine und Grundmauern ragen aus dem Gras und ansonsten gibt es eine riesige Fläche. Grundstücksmakler würden sich die Finger danach lecken, bei der Lage.

der Tempel des Hephaistos

Dieser Tempel ist der am besten erhaltene von allen. Er überblickt die alte Agora, den zentralen Platz des antiken Athen für Markt, Leute treffen usw. Durch dieses umzäunte, eintrittspflichtige Gelände führt eine Linie der Athener Metro.

In einem anderen Areal fand ich dieses Regal, in dem die gefundenen Brocken gesammelt werden, die (noch) nicht zugeordnet oder wieder eingebaut werden können.

Sammlung von Fundstücken bei der Hadrians-Bibliothek

Die Römer haben übrigens viele der griechischen Bauten weiter genutzt oder umgebaut, zudem natürlich weitere neue errichtet. So haben sie auch eine neue Agora angelegt, dort steht diese „Vasenruine“.

Zwischen den Säulen- und Mauerresten fanden die Archäologen unzählige Artefakte aus Stein, Keramik und verschiedenen Metallen (Holz und Textilien sind vergangen). Die meisten landeten in Museen überall in Europa. Aber viele konnte man auch in Athen behalten oder gar zurückbekommen. Sie werden heute im Archäologischen Nationalmuseum gezeigt, das nicht nur Funde nationaler Bedeutung aus Athen, sondern aus ganz Griechenland zeigt. Viele sind euch bestimmt schon mal in Geschichtsbüchern begegnet. Das Original der goldenen Maske, deren Kopie wir in Mykene gesehen hatten, wird hier auch gleich im Eingangssaal gezeigt. Dieser Jüngling aus Bronze wurde aus einem Schiffswrack geborgen. Was er in der Hand hielt, ist leider verloren gegangen.

Man weiß nicht, ob es Perseus oder Paris ist.

Mehr noch als alle die Statuen aus Stein mit ihren fein ausgearbeiteten Locken und Faltengewändern, als die Grabstelen, bemalten Vasen usw. hat mich dieser Dolch aus Bronze (Eisen war als Werkstoff noch nicht bekannt) mit einer sehr fein gearbeiteten Einlegearbeit aus Gold fasziniert.

Dolch aus Bronze aus dem 16. Jh. v. Chr.

Irgendwann schwirrte mir der Kopf mit all dieses Namen von Göttern und Helden sowie von Gebäudeteilen, Kleidungsstücken, Kultgegenständen usw., die jeder Historiker natürlich in seinem Alltagssprachgebrauch integriert hat, die ich aber erst einzeln nachschlagen musste. So wird es euch auch gehen, wenn ihr überhaupt bis hierher durchgehalten habt. Deshalb schließe ich den ersten Teil des Berichtes über unseren Aufenthalt in Athen mit einem Blick auf die Ausdehnung der Stadt, die nur durch die Berge und das Meer begrenzt wird.

Blick vom Lykobettos (mehr darüber im nächsten Bericht)

TL; DR:
Überall in Athen stehen und liegen alte Steine rum – und in den Museen gibt es noch viel mehr davon.

 

 

In und um Nafplio

Inzwischen sind sind wir von Gythio weitergezogen nach Nafplio. Dieses war die erste Hauptstadt, als das moderne Griechenland im 19. Jahrhundert unabhängig wurde. (Athen hat diese Funktion aber bald übernommen.) Nafplio wirkt deutlich städtischer, ja mondäner, als die Orte, die wir bisher besucht haben. Selbst in der Großstadt Kalamata haben wir nicht solche Yachten gesehen.

Im Hintergrund kann man noch die Ebene hinter der Stadt erahnen. Das ist die Argolis, das größte Orangenanbaugebiet auf dem Peloponnes. Das Hafenfoto wurde von der Festung aus geknipst, die wieder mal hoch über der Stadt thront. Sie besteht aus mehreren zum Teil noch gut erhaltenen Bastionen. Immerhin wurde sie auch noch von den Venetianern genutzt, wovon der Löwe über einem der Eingänge zeugt.

Solche Löwen findet man in und an fast allen Küstenstädten im östlichen Mittelmeer.

Dieses mal waren die Besteigung und der Rundgang etwas besucherfreundlicher; auf besonders rutschigen Steinen waren solche Gummistreifen geklebt, so dass man sich ohne unfreiwilligen Ausfallschritt darüber hinweg bewegen konnte.

Nafplio hat aber nicht nur die unvermeidlichen Überbleibsel früherer Machtansprüche, sondern auch eine ganze Reihe Kirchen und Kapellen. In einer habe ich mal versucht, was die Belichtung der geliehenen Kamera (Danke dafür!) ohne Blitz hergibt. Man kann doch recht viel erkennen.

Die Jungfrauenkirche in Nafplio mit der typischen Ausstattung einer griechisch orthodoxen Kirche

Auch der Wochenmarkt hat uns sehr gut gefallen. Hier standen fast ausschließlich lokale Anbieter, die das Obst und Gemüse frisch aus ihren Gärten anboten. An den Rote Beete-Knollen klebte noch die Erde und die Zucchiniblüten waren noch nicht welk. Auch einige Fischer boten Tintenfische, Sardinen und ein paar mittelgroße Fische (für den Grill) an.

Von Nafplio aus haben wir drei Orte besucht: Mykene, Korinth und Epidauros.

noch zwei Löwen über einem Tor

Diese Löwen sind etwa 3000 Jahre älter als der auf dem Foto weiter oben. Mykene war eines der ältesten Reiche in Griechenland, von dem man Spuren gefunden hat. Es ist bis heute ein Rätsel, wie man damals die riesigen Steine (siehe Foto), die zum Teil bis zu zwanzig Tonnen (!) wiegen, hoch auf den Berg transportiert hat. Die beiden Steine rechts oben neben den Löwen waren übrigens heruntergefallen (worden) – das kann man auf einer Zeichnung nach der Wiederentdeckung der Burg sehen. Mann hat sie wohl bei den Ausgrabungen wiedergefunden und an ihren Platz zurück gehievt. Sieht ja so auch viel aufgeräumter aus. Die Ausgrabungen hat übrigens ein gewisser Herr Schliemann angefangen, der vorher schon Troja gefunden hatte, und jetzt wohl eine neues Feld für sein Hobby suchte. Er hat auch viele Grabschätze – unter anderem kiloweise Gold – gesichert. Die liegen jetzt in den Museen der Welt.

Diese Goldmaske im Museum vor Ort ist „nur“ eine Kopie des Originalfundes.

Noch beeindruckender als die Burg mit ihren Riesensteinen fanden wir ein Grabmal ein kurzes Stück wegabwärts, die „Schatzkammer des Atreus“. Der Inhalt hat zwar wohl schon in Vorzeiten irgendwelche Grabräuber reich gemacht, aber das Gemäuer ist noch im Originalzustand erhalten.

Eingang zur „Schatzkammer des Atreus“

Der Innenraum hinter dem Eingang ist eine spitz zulaufende runde Kuppel von über 13 Metern Höhe. Daneben gibt es noch eine etwas kleinere Seitenkammer. Dass dieses Gebäude noch komplett steht, liegt wohl auch daran, dass es von außen durch einen Erdhügel vollständig überdeckt ist. Man kann es auf dem Foto am oberen Rand erahnen. Der Gang führt in den Hügel hinein. Wir hatten das Glück, einen ruhigen Moment lang zwischen den Horden aus den Touristenbussen diesen Raum ganz für uns alleine zu haben. Der ganze Raum summte und surrte von Bienen oder Hummeln, die sich irgendwo hoch oben in den Mauerritzen eingenistet hatten.

Weil wir schon auf halbem Wege waren, sind wir eben mal noch nach Korinth weitergefahren. Wir haben die alten Burgruinen links liegen lassen und haben uns direkt zum Kanal begeben.

DER Kanal

Wir konnten keine Schiffe durch den Kanal fahren sehen, weil er zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt wegen eines Erdrutsches gesperrt ist. Unter der Brücke könnt ihr sicher das schwimmende Baufahrzeug erkennen. Aufgrund der Sperrung steht auch die einzige mir bekannte versenkbare Brücke still. Genauer gesagt gibt es zwei davon, an jedem Ende des Kanals eine.

Senkbrücke am westlichen Ausgang des Kanals von Korinth

Der Mittelteil mit den schwarzen und gelben Farbblöcken kann so tief ins Wasser versenkt werden, dass die großen Schiffe darüber hinweg fahren können.

Überrascht war ich über eine unscheinbare Ausgrabung neben dieser Brücke. Wenn es dort nicht große Hinweisschilder und einen neu angelegten Fußweg gegeben hätte, wäre sie uns wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Man sieht nur eine etwas hundertfünfzig Meter lange fünf Meter breite Strecke mit uralten unebenen Pflastersteinen. Wir standen vor dem einen Ende des „Diolkos“, eines Schiffskarrenwegs. Er war wohl von den Griechen gebaut und von 600 bis 100 v. Chr. In Betrieb (mehr dazu findet ihr auf Wikipedia). So ein Landweg als Abkürzung war seinerzeit technisch machbarer als der Bau eines Kanals. Und Sklaven zum Ziehen der Schiffe über den 79 m hohen Pass waren wohl genug zu bekommen.

Diolkos in Funktion (aufgenommen von einer Schautafel bei der Ausgrabungsstätte)

Nach dem langen und informativen Ausflug haben wir und ein Abenessen in dem Restaurant unseres Campingplatzes gegönnt.

So kann man den Tag ausklingen lassen.

Ein weiterer Ausflug führte uns nach Epidauros. Das antike Theater dort ist wohl das größte erhaltene seiner Art. Deswegen und wegen seiner perfekten Akustik dient es heute noch (wieder?) im Sommer als Aufführungsort griechischer Theaterstücke. Ein Bild des Theaters kennt man wohl aus jedem Geschichtsbuch über seine Zeit und jeden Reiseführer über seine Region. Nur die Perspektiven wechseln – mal von den unteren und mal von den oberen Sitzreihen oder frontal vom Bühnenkreis aus.

Theater von Epidaurus

Nur sind auf meinem Foto schon mehrere Reisegruppen vor uns angekommen. Dabei waren wir schon um halb zehn da. Und alle FührerInnen machten das Akustikexperiment mit ihren Gruppen: Alle standen im Kreis eng um den Mittelpunkt der Bühne herum; im Takt klatschend gingen sie rückwärts bis zum Bühnenrand und wieder vorwärts. Beim ersten Mal war das für mich als Zuschauerin ja noch interessant, aber es verlor seinen Reiz doch mit jeder „Aufführung“. Und wenn gerade keine Gruppe in der Mitte des großen Runds war, fühlte sich eine Einzelperson bemüßigt, ein Ständchen zu geben. Zwei konnten das sogar ganz gut.

Im Anschluss an das Theater erstreckt sich ein großes Areal mit den üblichen Tempeln, Badeanlagen, Stadion und weiteren Gebäuderesten, wie wir es schon aus Olympia und Messene kannten. Hier war so viel Platz, dass man den Gruppen gut aus dem Weg gehen konnte.

Rasenmäher

Damit man die umgefallenen Säulen und Mauerreste auch weiterhin in Augenschein nehmen kann, waren vier dieser Rasenmäher mit ihren benzinbetriebenen, also lauten Geräten unterwegs. Das ist auch nötig, weil das Gras inzwischen recht hoch wuchert – und nicht schlimm, weil ein großer Teil der Blumen inzwischen verblüht und viele Pflanzen schon anfangen zu trocknen. Von der Wildblütenpracht, die wir neulich noch so bewundert haben, ist einiges schon verschwunden. Man sieht kaum noch lila. Jetzt herrschen weiße Kamille, einige kleinblütige gelbe Pflanzen und Taubnesseln (im Schatten) vor. Aber der Mohn mit seinem kräftigen dunkelrot setzt noch schöne Tupfer zwischen Alten Steinen und an Wegesrändern.

Zum Abschluss unseres Ausfluges sind wir über ein paar Nebenstrecken zurück gefahren. So sind wir auch durch den kleinen Küstenort, der auf den Karten und Straßenschildern wahlweise Palea Epidauros oder Archaia Epidauros genannt wird. Muss man halt wissen, dass beides dasselbe heißt: Alt-Epidauros. Für ein Abschlussfoto reicht er allemal.

Palea Epidauros / Archaia Epidauros

TL; DR*:
Auch nach so vielen Besuchen bei „alten Steinen“ gibt es immer noch was Neues, Überraschendes zu entdecken.

*Too Long; Didn’t Read

 

Aufstieg nach Monemvasia

Ihr habt gemerkt, dass die Fotos im letzten Beitrag etwas düster waren. Wir hatten bedecktes, aber trockenes Wetter – was fürs Fahren sehr angenehm, fürs Fotografieren nicht so schön war. Jetzt scheint wieder intensiv die Sonne und wir schmieren wieder viel Sonnenmilch. aber der frische Wind sorgt für sehr erträgliche Temperaturen, auch bei unseren „Bergtouren“. Heute haben wir uns diesen vorgenommen:

Monemvasia wie aus dem Reiseführer

Dieser Felsen ist nur über einen Damm mit dem Ort Gefyra auf dem Festland verbunden. Laut Reiseführer soll er ein absolutes „Muss“ sein. Da noch Nebensaison ist, findet man auf dem Parkplatz hinter dem Damm noch einen Platz.

So sieht die Felseninsel von nahem aus. Da wollen wir heute rauf. Vom Parkplatz geht man noch ca. zwanzig Minuten die Straße hinan; dabei wird man nur gelegentlich von einem Roller (der kann oben parken) oder einem Taxi überholt. Auch Reisebusse dürfen ihre Ladung direkt vor dem Stadttor ausspucken.

Blick von dem Stadttor die Schutzmauer entlang.

Da wir schon früh da waren, war die Hauptstraße von Monemvasia noch fast leer. Die wenigen Touristen taten sich noch gütlich bei einem Frühstück im Halbschatten.

Neben Bars, Cafés, Restaurants und Eisdielen findet man entlang der Hauptstraße nur Läden für Touristen als Zielgruppe, wie Boutiquen, Galerien und Souvenirläden jeder Preis- und Geschmacksstufe. In den Seitengassen erreicht man kleine einige Hotels und Apartments. Wir haben uns gefragt, ob hier überhaupt noch Einheimische in der Festungsstadt wohnen. Wohl kaum.

Hauptplatz in der Unterstadt von Monemvasia

Hinter dem Kirchturm beginnt der eigentliche Aufstieg zur Oberstadt, die man auf dem Foto im Hintergrund oben schon erahnen kann.

Die Steigung der steinigen Stufen sieht recht harmlos aus, ist sie auch – wenn nicht schon so viele Menschen und Tragetiere darüber geschritten wären. Dadurch sind nämlich insbesondere die dunklen Basaltsteine so glatt poliert, dass man sehr leicht ausrutscht – insbesondere nachher beim Abstieg. Da waren die Wanderstöcke die ich mir kurz vor dem Urlaub noch besorgt hatte, sehr hilfreich. (Danke für den Tipp an meine alte Kollegin.) Wir sind jedenfalls heile angekommen. Diese Aussicht entschädigt für die Anstrengung.

Der Anblick der Oberstadt selber ist dann weniger erhebend.

offensichtlich nicht mehr genutzt

Man kann allerdings verstehen, dass hier oben niemand mehr wohnt. Es gibt nur den einen eben beschriebenen Zuweg, und die Gefahr durch marodierende feindliche Heere ist inzwischen kein Grund mehr sich so zu verschanzen. Einzig eine Kirche wird noch genutzt; sie liegt noch einmal etwa die Hälfte des bisherigen Weges weiter oben.

Naos Agias Sofias

Natürlich sind wir da noch hin. Aber der Bau hat uns nicht sonderlich beeindruckt, weder innen noch außen. Dafür war der Blick über das Meer bis zu den nächsten Inseln und Landarmen umso schöner.

Auf dem Weg hin und zurück kamen wir zum ersten Mal durch ein Gebiet mit Plantagen von Orangen- statt Olivenbäumen. Östlich von Gythio mündet der Fluss Evrotas aus den Bergen ins Meer. Der hat eine breite Mündungsebene aufgeschüttet. Diese Ebene ermöglicht intensive Bewässerung, die erst die Kultivierung von Orangen im Mittelmeerklima ermöglicht. An einer Stelle konnten wir noch Reste des alten Kanalsystems erkennen. Aber heute wird das Wasser natürlich mit Schläuchen direkt an die Pflanzen gebracht (Tröpfchenbewässerung).

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass der gleiche Baum schon wieder Blüten treiben kann, während er noch die Früchte des letzten Jahres trägt. Ich habe aber noch nicht herausgefunden, warum manche Bäume nur Früchte tragen, andere (fast) nur Blüten und manche beides gleichermaßen viel.

Zum Schluss gibt es mal wieder einen „Zufallsfund“. In einer Bucht kurz vor Gythio ist in den 80ern ein der Frachter Dimitrios gestrandet und rostet dort vor sich hin – gleich neben einem jetzt schon belebten Strand mit Bar.

(Vergleicht den Zustand des Wrackes doch mal mit dem Foto bei Wikipedia)

TL; DR:
Beim Aufstieg in Monemvasia ist der Weg das Ziel.

 

Die wilde Mani

Heute schreibe ich nur über einen einzigen Ausflug. Aber ich möchte die Eindrücke festhalten, solange sie frisch sind.

Die wilde Mani

Die Halbinsel Mani, das ist der mittlere „Finger“ des Peloponnes. Sie ist besonders gebirgig, denn sie ist der Ausläufer des Taygetos, auf dem noch Schnee liegt. (siehe letzter Beitrag) Es gibt keine Ebenen; so hat man keine Flächen für Felder. Die Vegetation an den Hängen ist eher spärlich. Dementsprechend dünn besiedelt ist diese Halbinsel. Dörfer kleben an den Berghängen, manchmal findet man Olivenhaine an etwas weniger steilen Abschnitten.

Diese Schilder stehen wirklich nur vor Haarnadelkurven; wir haben sie aber häufig gesehen.

Straßen und Wege führen in unzähligen Kurven immer bergauf und bergab, von einem Tal über den nächsten Pass und wieder hinunter, jeweils oft mit mehreren hundert (!) Metern Höhenunterschied innerhalb weniger Kilometer, wenn man unserem Navi glauben darf. Dorfdurchfahrten sind selbst mit PKW abenteuerlich; nur wenn man Glück hat, gibt es mal einen Verkehrsspiegel, der einem verrät, ob man vor der Kurve warten oder gar zurücksetzen muss, weil einem ein Lieferwagen entgegenkommt.

Einen solchen Gelbschleier haben derzeit viele Berghänge.

Jetzt im Frühling ist die Mani ein Naturparadies. Die felsigen und steilen Hänge sind von sattem grün der Gräser, Kräuter und Büsche überzogen. An allen Hängen und allen Wegesrändern leuchten Wildblumenpolster zwischen sattgrünen Gräsern. Die vorherrschende Farbe ist Gelb in allen Nuancen. Mal zieht sich ein Ginsterschleier einen ganzen Berghang rauf, mal leuchten Hornklee, Gänsedistel und viele andere gelbe Blumen am Wegesrand, durchsetzt von lila Disteln, Veilchen, Salbei und gelegentlichen Tupfern roten Mohns. Dazwischen fallen die weißen Blüten von Klee und Kamille kaum mehr auf. Ich habe nur ein paar mir sicher bekannte Pflanzenarten genannt. Die anderen kann man zwar mit Google Lens leicht bestimmen, das stimmt aber nicht immer. Also lass ich lieber die Finger davon.

Schade für alle die Reisenden, die erst im Sommer hierher kommen. Die meisten Samenstände sind sicherlich nicht so schön anzuschauen wie jetzt die Blüten., und auch die jetzt noch grüne Vegetation ist dann vertrocknet und eher grau-gelb-braun – und leicht brennbar.

Die Dörfer sehen in der Mani etwas anders aus. Die meisten Häuser haben rohe Bruchsteinwände, die nicht verputzt und dementsprechend natürlich auch nicht farbig gestrichen sind. In den Bergdörfern haben Dorffamilien vor einigen Jahrhunderten bevorzugt Wohntürme gebaut, die wie Festungstürme aussehen. Das war wohl dem Umstand geschuldet, dass man sich nicht nur Angreifern von außen erwehren musste, sondern dass auch die Familien untereinander verfeindet waren.

originale wehrhafte Wohntürme

Im südlichen Teil der Halbinsel Mani sind die Dörfer teilweise oder ganz verlassen, im nördlichen Teil sieht es noch etwas besser aus. Zum Teil wird auch wieder neu gebaut oder renoviert. Da bringt der Tourismus wieder etwas Einkommen in die Gegend. Heute dienen diese Türme teilweise als stilistische Vorlage bei Neubauten, zum Beispiel für Hotels in den Küstenorten oder für Häuser neureicher Heimkehrer. Die Türme sind nicht so hoch, die Fenster größer und zahlreicher; aber die Wehrzinnen an der Dachkante sind noch angedeutet. Wie kitschig ist das denn?

Die Reiseführer haben uns noch auf einige Kleinode aufmerksam gemacht. Nicht nur hier gibt es eine ganze Anzahl sehr kleiner alter Kirchen, die jeweils einem/einer Heiligen gewidmet sind. Immer wieder weisen kleine braune Schilder (mal zweisprachig, mal nur in griechischen Lettern) auf einen Weg in die Berge zu einer solchen hin. Hier sind zwei Beispiele, die direkt an der Verbindungsstraße an der Westküste stehen, nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.

Agios Aanagyros in Koumani

Die Kirche stand eben schon, bevor die Straße (aus)gebaut wurde. Und links hinter dem Haus geht auch noch eine (noch engere) Seitenstraße ab. Vielleicht könnt ihr den Straßenspiegel direkt vor der Kirche erkennen. Zu Fuß sind wir dann weiter zur heutigen Friedhofskirche Metamorfosi tou Sotiros gegangen.

Rüdiger musste beim Hineingehen den Kopf einziehen.

Beide Kirchen werden offensichtlich noch aktiv genutzt; und beide waren offen. (Das ist nicht überall so.) Innen sind noch große Teile der Wandbemalung vorhanden, die vor über 700 (!) Jahren dort angebracht wurde.

Zum Schluss habe ich noch zwei „Zufallsfunde“ für euch. Bei einem Rundgang durch den Küstenort Kardamili kamen auf einer Nebenstraße an diesem Flussbett vorbei. Es führte vom Berg direkt ins Meer. Die Hauptstraße führte auf einer großen Brücke darüber.

zur Zeit trockene Furt in Kardamili, im Hintergrund die Brücke

Zuerst hielten wir es für eine vorbereitende Baumaßnahme, für die ein Bagger schon mal den groben Kies planiert hat. Aber ein Warnschild wies darauf hin, dass hier bei Überflutung der Straße große Gefahr herrsche. (Mehr konnten wir aus den griechischen Schriftzeilen nicht ableiten.) Wir fühlten uns an die Warnung vor Sturzfluten auf australischen Highways erinnert.

An dem zentralen Platz in der Nähe der Kirche gegenüber dem Kafenion stand diese furchteinflößende Gestalt. Er war wohl aktiv im lokalen Widerstand und auch zeitweise Bürgermeister des Ortes. Mehr haben Google und Wikipedia mir nicht verraten.

Panagiotis Troypakis (1761 - 1822)

TL; DR:
In der wilden Mani lebten früher auch wilde Menschen.

 

Griechische Ostern, Burgen an (fast) jeder Landspitze – und noch ein Stadion

1. Griechische Ostern

Auf einem Kreisverkehr in Kalamata – Ostern wirft seine Schatten voraus.

Ostern ist rot. Dekorationen in Schaufenstern, in der Werbung, im Stadtbild zeigen immer wieder rote Eier, rote Schleifen an weißen Kerzen, rot-gemusterte Dekoartikel … .

Die Kar- und Ostertage sind wohl die wichtigsten Feiertage im orthodoxen Griechenland. Selbst in den Touristenregionen sind viele Läden und Sehenswürdigkeiten an Karfreitag und Ostersonntag ganz geschlossen und am Karsamstag und Ostermontag nur verkürzt geöffnet. Wir haben diese Zeit in Finikounda verbracht und „mitgefeiert“.

Am Karfreitag gab es am Abend einen langen Gottesdienst. Da die Dorfkirche eher klein ist, wurde er per Lautsprecher vom Kirchturm nach draußen übertragen. Es handelte sich dabei im Wesentlichen um einen Rezitationsgesang des Popen mit seinen Vorsängern und gelegentlich auch mit der Gemeinde. Kein gesprochenes Wort, also auch keine Predigt, wie wir sie kennen. Während des Gottesdienstes gingen zwischendurch Leute raus, redeten und rauchten und oder lauschten dem Geschehen von draußen, und gingen dann auch mal wieder rein.

Der Gottesdienst endete mit einer Prozession, in der ein Epitaph, das das Grab Christi symbolisiert, durch das Dorf getragen wurde. Fast alle Leute, groß und klein, alt und jung, die wir bei der Kirche gesehen hatten, nahmen auch daran teil.

Karfreitagsprozession in Finikounda

Das Osterfest ist dann ein Familienfest. Die großen Familien kommen zusammen zu einem ausgiebigen Festmahl und laden dazu auch weitere Freunde und Bekannte und auch Fremde ein. Die Familie, die unseren Campingplatz führte, tat dem gleich und hat alle Campinggäste mit eingeladen. An der improvisierten Festtafel im Freien saßen etwa gleich viele Familienmitglieder und Camper, von denen manche schon jahrelang wiederkehren, die auch quasi zur „Familie“ gehören. Es gab Ziege und Lamm vom Spieß, Salate Brot und süßes Gebäck, und es wurde ausdauernd getanzt.

2. Burgen

An fast jeder geeigneten Landspitze findet man heute noch Überreste von Burgen, die einst zur Kontrolle des Seehandels, des Landbesitzes oder einfach des Machtraumes errichtet wurden. Da kann man natürlich nicht alle besuchen oder gar dokumentieren. Will man auch nicht. Wir haben uns in dieser Gegend drei ausgesucht, die sehr unterschiedlich sind.

Das Städtchen Methoni grenzt direkt an die Burgruine. Man kann fast direkt vor dem Burgeingang parken und bequem das riesige Gelände erkunden.

Blick über die Burgruine von Methoni

Das Burggelände reicht bis an den kaum noch erkennbaren kleinen Wehrturm im Hintergrund. Das steht in keinem Vergleich zu den Ritterburgen in den deutschen Mittelgebirgen. Die Festung wurde bis ins 19. Jahrhundert als solche genutzt und dementsprechend immer wieder auf den neuesten Stand der Abwehrtechnik gebracht. In Anbetracht dessen ist außer den Außenmauern und der Steinbogenbrücke über den Burggraben erstaunlich wenig erhalten.

Ähnlich verfallen ist das Paleo Kastro nördlich von Pylos. Allerdings ist es weitaus anstrengender dieses zu erreichen.

Aufstieg zum Paleo Kastro

Die Hälfte des Zufahrtsweges hatte eine Schotterdecke, die mit tiefen Schlaglöchern übersät war; und durch den Regen der letzten Wochen reichten Pfützen teilweise über die gesamte Fahrbahnbreite. Das forderte so viel Aufmerksamkeit von Fahrer und Beifahrerin, dass wir kein Foto davon geknipst haben. Zumindest sind wir dank der guten Stoßdämpfer heil hin und zurück gekommen. Am Ende des Fahrweges wartete noch ein Fußmarsch von ca. 45 Minuten bergauf über einen Trampelpfad durch Gras und Gebüsch, der immer mal wieder auch über Steinkanten führte. Das Interessante an dieser Wanderung war aber nicht die Burgruine, sondern die im Reiseführer versprochene Aussicht auf eine einzigartig geformte Bucht dahinter, die sogenannte „Ochsenbauchbucht“.

Bucht von Voidokilia, auch genannt „Ochsenbauchbucht“

Auf diesem Foto ist nicht zu erkennen, dass die halbrunde Bucht nach Westen hin einen Zugang zum Meer hat. Um die auch noch aufs Foto zu bannen, hätten wir noch weiter über zugewachsene Felsvorsprünge und -stufen klettern müssen. Angesichts unseres Alters und des nahenden Sonnenuntergangs haben wir aber darauf verzichtet. Wer das komplette Bild braucht, muss es eben googlen. Das Gewässer rechts hinten ist übrigens einvom Meer abgeschlossener Bereich (Gialova-Lagune), der zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Überraschend anders präsentiert sich die Burg von Koroni. Zwar gibt es auch hier die Reste von Festungsmauern, -türmen und -toren. Nach dem Ende der Burg als Festung siedelten sich Mönche und Nonnen hier an und gründeten mindestens zwei Klöster. Die Nonnen wohnen und wirken noch heute dort. So gibt es mehrere heute noch genutzte Kirchen in der Burganlage.

Blick auf zwei der Klosterkirchen in der Burg Koroni

Die Nonnen haben einen wunderschönen Garten angelegt und betreiben auch einen Souvenirladen. Es gibt noch mehrere Kirchen und ein weiteres aktives Kloster auf dem Gelände, das uns aber am Ostermontag nicht zugänglich war. Außer den Mönchen und Nonnen wohnen bis heute noch weitere Menschen dort. Vor einem Haus saß jemand neben einem Tisch, auf dem selbst eingelegte Oliven und Marmeladen angeboten wurden. Bei so viel Leben ist es nicht verwunderlich, dass hier oben auf dem Berg auch noch ein Friedhof unterhalten wird.

Friedhof in der Burg Koroni

Auf dem Asphalt sieht man hier die typische Osterbemalung. Überall in den Dörfern werden zu Ostern die Bordsteinkanten und Treppenstufen frisch geweißt. Teilweise war in den letzten Tagen die Farbe noch feucht. Wenn noch Farbe übrig ist, werden die Bürgersteige und Straßen zusätzlich mit Punkten, Kreisen, Blumen und anderen Ornamenten verziert.

Nachdem wir die steilen Gassen von der Burg wieder herab gestapft waren, haben wir noch ein wenig die Hafenpromenade von Koroni genossen. Hier in den Restaurants hatten sich nochmals Familien zu einem zweiten Ostermahl niedergelassen.

Blick vom der Hafenpromenade in Koroni auf das Taygetos-Gebirge (über 2000 m hoch)

 

3. Messene – noch ein Stadion

Schon bei unseren Reisevorbereitungen war uns empfohlen worden, die Ausgrabungsstätte Messene zu besichtigen. Diese Empfehlung wurde von Mitcampern hier vor Ort bekräftigt. Und sie hatten Recht!

Wir hatten schon so einige „alte Steine“ in Olympia und beim Zeustempel gesehen; aber die Anlage in Messene ist aus mehreren Gründen deutlich beeindruckender. Zum einen liegt sie am oberen Ende eines Tales vor dem Berg Ithome, und bietet somit eine grandiose Kulisse.

Blick über das Theater von Messene

Das Theater liegt oben am Zugang zu der Anlage. Von hier aus kann man noch nicht einmal alle Bereiche überhaupt sehen. Dieser Ort hatte seinen Schwerpunkt wohl nicht so sehr in der Huldigung der Götter, sondern in der praktischen Anwendung ihres Segens: Der Bereich des Asclepieions, also des „Kur- und Heilungsbetriebs“, nimmt einen großen Raum ein. (kein Bild, weil „nur“ Mauer- und Säulenreste in Blumenwiese) Aber man gräbt und entdeckt immer noch weiter, vielleicht werden ja noch mehr Tempelanlagen ans Licht gebracht.

Neben dem Ausgraben, Sichern und Untersuchen rekonstruieren die Archäologen hier auch Teile der der Anlage. So werden die alten Steine auch in ihren Funktionen anschaulicher.

eine rekonstruierte Stoa in Messene (im Hintergrund der Ithome)

Eine Stoa ist ein überdachter Säulengang, der zur Seite mit den Säulen offen ist und in der Regel am zentralen (Markt)platz einer altgriechischen Hauptstadt errichtet wurde. Hier konnten die Bürger im Schatten sitzen, stehen oder wandeln, diskutieren und philosophieren – was man eben so als gebildeter, freier Bürger den Tag über so macht.

Selbstverständlich hatte jede Stadt, die was auf sich hielt neben einem Tempeln und einem Theater auch ein Stadion, so auch Messene. Auch hier wurden die Sitzbänke zum Teil restauriert und die Säulenreihen drum herum wieder aufgerichtet. Zwischen den Fugen wachsen Gräser, Kräuter und Blumen schneller als man sie jäten kann. Ob das vor über 2000 Jahren wohl auch so war?

Messene – Zuschauer im Stadion

TL; DR:
Ostern ist rot, viele Burgen sind nur noch Ruinen und Messene ist größer als Olympia.

 

 

Auf nach Olympia … … und ab in die Berge - 2

Teil 2 … und ab in die Berge

So sieht es auf der Halbinsel Peloponnes aus, sobald man die Küste verlässt. Es gibt kaum Ebenen; alles ist sehr gebirgig und man könnte tausende solcher Fotos knipsen – mit kleinen Variationen: Manchmal sieht man an den gegenüberliegenden Hängen eine Straße sich in Serpentinen hinaufwinden, und in der Ferne kann man auch noch Schnee auf den Bergrücken erkennen – aber nicht anschaulich fotografieren. Dafür ist es dann doch zu weit und diesig.

Irgendwo hier in den Bergen wollten wir nochmal alte Steine gucken. Wir folgten brav dem Navi für ca. eine Stunde bis auf über 1100 m und waren schon etwas verunsichert, ob wir wirklich den richtigen Weg genommen hatten, als dann plötzlich nach der nächsten Kehre diese weiße Spitze auftauchte.

Und schon waren wir angekommen. Vom Parkplatz aus konnten wir ein völlig überdimensioniertes langes Zeltgebilde erkennen. Es hätte für eine riesige Dorffete gereicht.

Aber das Zelt hat eine andere Funktion: Tempelcamping. Es wurde vor über 30 Jahren über einem erstaunlich gut erhaltenen Tempel des Apollon errichtet, um ihn und die dort arbeitenden Archäologen zu schützen. Anders als in Olympia waren hier mitten im Nirgendwo niemals marodierende Heerscharen durchgezogen und auch Erdbeben hatten dem Gebäude nicht so viel anhaben können. Als es im 18. Jahrhundert wieder entdeckt wurde, standen noch fast alle Säulen, nur das Dach, die Giebel und das Innenmauerwerk waren eingestürzt oder beschädigt. Das eigentliche Problem ist aber, dass der Untergrund etwas instabil ist und so in jahrzehntelanger Arbeit die Fundamente und die Säulen stückweise ab- und wieder aufgebaut werden. Das erklärt auch die Größe des Zeltes, das geschätzt doppelt so hoch wie die Säulen ist. Immerhin muss ja auch noch der Portalkran zum Bewegen der Steinblöcke reinpassen.

Endlich sichtbar: der Apollontempel bei Bassae

Die Mauer hinter den Säulen gehört zum von den Archäologen rekonstruierten Innenraum des Tempels. Fotos von vor dem Zeltaufbau und Bilder, wie der Tempel mal ausgesehen haben soll, findet ihr in den üblichen Quellen.

Nach soviel Geschichte war es Zeit für etwas Lebendigeres. Wir hatten in der Reiseliteratur Tipps für einige besuchenswerte Bergdörfer gefunden. Eines zeige ich euch hier stellvertretend.

Dorfplatz von Andritsena

So prall tobte das Leben hier denn doch nicht. Das lag aber auch an der Tageszeit; am Spätnachmittag war in den Orten mehr los. Dafür hat Andritsena eine Besonderheit: einen Brunnenbaum. Ein Schild daneben erzählt diese Geschichte: Vor hundert Jahren hat man auf dem Dorfplatz einen Brunnen mit drei Auslässen errichtet und als Schattenspender eine Platane dahinter gepflanzt. Heute hat der Baum den Brunnen umwachsen und nur noch einer der Wasserauslässe guckt heraus.

Der Brunnenbaum von Andritsena

Noch ein weiteres Highlight liegt in der Nähe: Die Klöster Prodromou und Filosofou. Klöster sind hier viele ausgeschildert, aber diese beiden sind doch seeeehr abgeschieden in der Lousious-Schlucht. Man muss von der Landstraße aus zuerst einen neun Kilometer langen, glücklicherweise asphaltierten steilen Serpentinenweg hinabkurven und dann noch eine knappe halbe Stunde zu Fuß über einen Pfad aus Schotter und in den felsigen Untergrund gehauene und gebauteSteinstufen wandern. Dann erscheint am Hang über dem Wanderer plötzlich das:

Kloster Prodromou „klebt“ an der Felswand.

Das bedeutet natürlich, dass der nächste Wegabschnitt wieder hinaufführt. Wenn man endlich ankommt, kann man das Kloster auch besichtigen. Es wohnen nur noch drei Mönche dort. Viele an die Felswand fabrizierten Zimmer sind aber augenscheinlich auch nicht mehr sicher bewohnbar.

Das zweite Kloster kann man zur Zeit von dieser Seite aus nicht erreichen, weil der Wanderweg durch Erdrutsche unpassierbar ist. Den ganzen Winter über hat es in Griechenland überdurchschnittlich viel geregnet (und geschneit) und auch in den letzten Wochen hat es nochmals heftige Unwetter gegeben. (Davon wurde sogar in der Tagesschau berichtet.) Der Untergrund ist dadurch besonders anfällig für Steinabbrüche und Abrutschungen.

Diese Schilder standen nicht nur als vage Vorsichtsmaßnahme am Straßenrand, sondern sie markierten Stellen tatsächlicher Ereignisse. An verschiedenen Stellen lag dann hinter der nächsten Kurve was auf der Straße.

Besonders in der Lousious-Schlucht auf den Serpentinen zu den Klöstern hatten die Unwetter Schäden hinterlassen. Mal war eine halbe Fahrbahnseite abgebrochen oder Risse im Asphalt und an manchen Stellen war die Straße völlig mit Schlamm und Kies bedeckt.

Hier rutschte wohl immer wieder Erde und Geröll nach. Aber immerhin waren die größeren Steine und Felsbrocken schon beiseite geräumt.

Vorsichtshalber hat man den Bagger noch stehen gelassen.

Auf dem Heimweg aus den Bergen mussten wir noch einen weiten Umweg über die Dörfer nehmen, weil die direkte Verbindungsstraße (genauso kurvig, aber besser ausgebaut) wegen eines Erdrutsches komplett gesperrt war. Da brauchten wir das Navi, weil die Straßenschilder dort abseits der touristischen Routen nicht mehr zweisprachig waren.

Zum Schluss gab es noch eine Verkehrsstörung der anderen Art. Ein Bauer/Hirte führte seine Schaf- und Ziegenherde zum Stall. Er fuhr mit seinem Pick-up voran, die Tiere trotteten hinterdrein. Die begleitenden Hunde waren arbeitslos.

Wir sind jetzt weitergezogen nach Finikounda und werden hier die griechischen Ostertage verbringen. Hier werden wir auch die landesübliche Festagsruhe einhalten und entspannen. Bis zum nächsten Beitrag wird es also noch etwas dauern.

TL; DR:
Heute haben wir Tempelcamping, einen Brunnenbaum, ein hängendes Kloster und Verkehrsbeeinträchtigungen gesehen.

Auf nach Olympia … und ab in die Berge - 1

Teil 1 Auf nach Olympia ...

Eines unserer Anliegen dieser Reise ist „alte Steine gucken“; denn hier in Griechenland liegt die Wiege der europäischen Kultur und Geschichte wahrhaftig auf und in dem Boden. Unser erstes Ziel ist das Antike Olympia.

Philippeion in Olympia

Ein solches Foto wird immer wieder gern in der Reiseliteratur dazu gezeigt. Ist aber irreführend, denn die drei Säulen und auch Teile ihres Fundamentes wurden erst wieder vor ca. 25 Jahren aufgebaut, als Maßnahme angewandten Archäologie.

Ursprünglich wurde der heilige Bezirk, der erst der Zeusgattin Hera und später dem Obergott Zeus selbst gewidmet war, in hunderten von Jahren erbaut und erweitert; dazu kamen die heiligen Olympischen Spiele der Antike.Die Römer setzten die Traditionen fort – natürlich mit einigen religiösen und architektonischen „Anpassungen“. So entstanden ca. 25 große Gebäude(komplexe). Im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurde das meiste dieses Bezirkes geplündert und zerstört, durch Kreuzritter, Osmanen und viele weitere Kriegsmächte. Auch Erdbeben trugen ihren Teil zur Demontage bei. Details findet ihr bei Wikipedia und in der Fachliteratur – mehr als ihr wissen wollt.

Seit dem 19. Jahrhundert kam die Antike mal wieder in Mode und das brachte Archäologen auf den Plan. Die haben hier ganze Arbeit geleistet und viele Fundstücke in die großen europäischen Museen gebracht. Einige sind allerdings vor Ort geblieben und werden nun im Museum vor Ort ausgestellt, zum Beispiel Gefäße, Statuen, Waffenteile …

Statuen, die mal einen Giebel an einem der Tempel zierten.

Zuerst haben wir uns im Museum umgeschaut. Dort gab es viele Funde und Informationstafeln, sowie einige Modelle der Anlage.

Dies sind keine Schleich- oder Playmobilfiguren, sondern Votivgaben, die die Gebete um die Gunst der Götter unterstützen sollten.

Der Gang durchs Museum hat uns geholfen, dass wir uns die Altertümer im Freigelände etwas besser vorstellen konnten. Wir waren ja schließlich wegen der „alten Steine“ gekommen.

Dies sind die Reste des Haupttempels für Zeus.

Die einsame Säule ist auch vor wenigen Jahrzehnten wieder aufgebaut worden. Ansonsten ist von dem Tempel nur das bröckelige Fundament geblieben. Die Größe kann man erahnen, weil man auf das Fundament nicht mal mit hochgehaltener Kamera drauf sehen kann.

Die meisten Säulenbruchstücke liegen irgendwo drum herum in Blumenwiesen verstreut oder aufgereiht. Die schönen Teile (Statuen etc.) sind ja anderswohin verbracht worden. Ich erspare euch die Bilder von -zig weiteren Säulen- und Mauerresten und Stufen zwischen Gras, Blumen und Kieswegen. Da muss man selbst stehen und sich hinein denken. Bilder können den Eindruck nicht transportieren. Nur das Tor zum Stadion möchte ich euch nicht vorenthalten.

Das Stadion ist ein großer, langer schlichter Sportplatz mit marmornen Startlinien und einem Wall für Zuschauer rundherum. Natürlich gibt es immer einige Besucher, die tatsächlich einen Lauf von der Linie starten. Eine Läuferin ist sogar die ganze Strecke von 192 m gesprintet und wurde von ihren Begleitern gebührend gefeiert..

Nach dem vielen Input hatten wir uns am Ostersonntag eine Ruhepause verdient. Obwohl das griechisch-orthodoxe Osterfest erst eine Woche später stattfindet, hatte der Campingplatzwirt ein Grillfest für seine Gäste ausgerichtet – gegen eine Unkostenbeitrag natürlich. Jeder brachte sich Tisch, Stuhl und Geschirr mit.

Sammeln zum Osterfestessen

Der Wirt und seine HelferInnen grillten Fleisch und Wurst, trugen Salate und Brot auf, und auch Wasser und Wein gab es, soviel man wollte (und konnte).

Und zum Schluss durfte selbstverständlich auch der Ouzo nicht fehlen.

Jamas! (= Stin ygeia mas!)

 

Es ist schon wieder spät geworden; deshalb folgt der zweite Teil (... und ab in die Berge) demnächst.

TL; DR:
Im Antiken Olympia liegen viele alte Steine herum.

 

Kalimera Ellada!

Der Weg nach Griechenland ist ganz schön weit. Deshalb hatten wir uns ja auch eine Zwischenstation in Verona gegönnt (siehe letzter Beitrag). Ein „Souvenir“ hatten wir uns aber schon vorher eingefangen:

Das Salz, das die Straße über den Brenner schnee- und eisfrei tauen sollte, war auf unser Fahrzeug hoch gespritzt. So verkrustet wollten wir nun doch nicht in unser Zielland einreisen. Also haben wir noch vor Ancona eine Autowaschstation gesucht und gefunden.

Am nächsten Nachmittag konnten wir dann mit einem sauberen Auto einchecken und an Bord der Fähre fahren.

Passen die Farben den Schiffes nicht gut zu unserem Gespann?

Ich habt sicherlich schon bemerkt, dass der Himmel über dem Hafen recht unfreundlich war. Er war nicht nur bedeckt, sondern ab dem frühen Abend regnete es auch immer wieder. Und es wehte ein sehr böiger Wind. Das führte auch ohne Alkoholzufuhr zu einem recht ungeraden Gangbild bei den allermeisten Passagieren. Allerdings haben wir beim Schlafen in unserer Kabine kaum mehr etwas davon gemerkt; und zum Frühstück am Morgen lief das Schiff schon wieder viel ruhiger.

Auf der Fähre waren viiiiieeeele LKW, zahlreiche PKW und Wohnmobile, aber insgesamt nur vier Wohnwagengespanne. Weil die anderen drei bis Patras weiter mitfuhren, standen die auf einem anderen Deck und wir „ganz allein“ zwischen den ganz Großen.

Als wir auf dem hellenischen Festland in Igoumenitsa angekommen waren, hellte der Himmel auf und bei unserem ersten Zwischenstopp begrüßte uns die wärmende Sonne. Noch eine Wetterfront überquerte uns; und wir folgten ihr am kommenden Tag auf unserem Weg auf die Halbinsel Peloponnes.

Schon vor der Reise hatten wir versucht, uns etwas mit den griechischen Schriftzeichen vertraut zu machen. Aber mit Groß- und Kleinschreibung, Druck- und Schreibschrift sind das in der Summe doch eine ganze Menge Zeichen. Und manche sehen auch noch wie in lateinischer Schrift aus, heißen aber anders. Da ist es ganz hilfreich, dass die meisten Straßenschilder, die wir bisher gesehen haben, zweisprachig gehalten sind ...

… und manchmal helfen ja auch noch die Bildsymbole.

Jedenfalls ist diese Doppelbeschriftung sehr hilfreich und unterstützt uns auch noch beim Buchstaben lernen und -üben. Wir wollen ja demnächst auch mal ins Landesinnere in die Berge fahren. Ich bin gespannt, ob die Schilder da auch noch so touristenfreundlich sind. Was uns in dieser Lernsituation auch zugute kommt, ist die Tatsache, dass der Verkehr zur Zeit hier noch recht „dünn“ ist. So kann man manchmal auch etwas langsamer fahren, um alles Nötige zu entziffern.

So sah es am Strand hier am Abend unserer Ankunft aus ...

Alle reden vom Wetter – wir auch. Bisher hatten wir einen ständigen Wechsel zwischen Regen-/Windfronten und Zwischenhochs. Davon habt ihr jetzt genug gelesen. Die Wetterapps sagen ab jetzt beständig schönes Wetter mit angenehmen Temperaturen und 0% Regenwahrscheinlichkeit voraus.

… und so sieht es seit gestern aus.
(Im Hintergrund sieht man die Insel Zakynthos.)

Gestern haben wir einen Ausflug zum Antiken Olympia unternommen. Die Fotos habe ich aber noch nicht fertig gesichtet. Davon könnt ihr aber sicherlich später noch lesen.

TL; DR:
Wir sind auf der Peloponnes angekommen.

 

Winter ade! – Salute Verona!

Laut Kalender sind wir im Frühling aufgebrochen, gefühlt aber waren vor allem die Temperaturen eher noch winterlich. Beim Familienstopp in Süddeutschland konnten wir zwar dick eingemummelt einen Spaziergang im Sonnenschein genießen; als wir am anderen Morgen dann losfuhren, sah es aber sooo aus:

Eigentlich wollte ich kein Wintercamping machen.

Im Laufe des Vormittags wandelte der Schneefall sich zu Schneeregen und zu Regen, der hinter Innsbruck schließlich aufhörte. Die Straßen waren frei befahrbar. Aber mit zunehmender Höhe kamen wir bald über die Schneegrenze.

Am Rand liegt noch der zu Seite geräumte Schnee aus den Vortagen

Erst in Südtirol kamen nach und nach die Sonne durch und Urlaubsfeeling auf. Und als wir Verona erreichten, zeigte das Thermometer 18 °C. Das nenne ich mal Frühlingswetter.

Blick über Verona zurück auf die Alpen

Das lädt zu einer Stadterkundung ein. Und dafür hat Verona wahrlich viel zu bieten, sogar an einem Montag, wenn alle Museen und viele Kirchen geschlossen sind.

Unser Stadtrundgang startete an der Arena. Sie ist zwar kleiner als die in Pula oder Rom, dafür aber als Veranstaltungsort noch voll funktionsfähig. Das wurde bei den Olympischen Spielen und Paralympics eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Vor der Arena stehen die Ringe in Stein gemeißelt.

Natürlich haben wir viele der Sehenswürdigkeiten erkundet und auch fotografiert. Wir haben viele Piazze und Viocoli (Gässchen) beschritten und die Sitzbänke in den Grünanlagen und am Adige-Ufer zu kleinen Ruhepausen genutzt. Hier sind zwei Beispiele:

Piazza delle Erbe und Torre dei Lamberti

Die Piazza delle Erbe ist einer der Hauptplätze in der Altstadt mit beeindruckenden Palazzi drum herum und einem Markt mit lauter Souvenirkram mitten drauf. Direkt daran steht der Torre dei Lamberti. Diesen Turm kann man – für den gleichen Preis– per Treppen oder per Aufzug erklimmen. Wir waren natürlich oben. (siehe auch Foto vom Alpenpanorama)

Castel S. Pietro

Das Castel S. Pietro liegt außerhalb der Altstadt, die sich in eine Schleife des Flusses Adige (Etsch) schmiegt, aber noch innerhalb der zinnenbewehrten Stadtmauer aus rotem Ziegelstein. Das Castel erreicht man über die Ponte Pietra und anschließend über viele Treppenstufen oder mit der Funicolare (Standseilbahn). Wir wählten letzere und wurden oben empfangen von einem Konzert dieses Musikers:

Ihm konnte man des längeren gut zuhören, denn er verstand sein Hand-, Fuß- und Mundwerk. Dafür gaben auch viele Zuhörer einen Obolus in seinen Gitarrenkasten.

Während morgens war die Stadt noch wenig belebt war – neben einigen früh aufstehenden Touristen waren zahlreiche Schulklassen unterwegs – ; füllten sich die Gassen und Plätze im Verlauf des Tages doch sehr. Dazu kamen weitere Touristengruppen, die Schirm oder Fähnchen schwingenden Guides hinterhertrotteten. So mussten wir schließlich schon manchmal aufpassen, uns nicht zu verlieren. Wie mag das erst in der Hauptsaison sein?

TL; DR:
Wir sind in den Frühling hineingefahren. Verona ist einen Besuch wert.

 

 

A Camper‘s Life

Outdoorküche – empfehlenswert, aber nur ab 25°C und leichter Brise

Bisher habe ich nur von unseren Ausflügen berichtet. Viel Zeit haben wir aber auch auf den Campingplätzen und an deren Stränden verbracht. Wir haben gechillt, geschwommen, gelesen (auf Papier und im Internet), geschrieben, geplaudert und Leute beobachtet. An diesen Erlebnissen und Beobachtungen möchte ich euch etwas teilhaben lassen.

 

Vorher und nachher

Platzsuchende

Während des ersten längeren Aufenthaltes auf Krk (Camping Glavotok) liefen Menschen mit Platzplänen herum. Das Phänomen ist jedem Camper bekannt: Man bekommt an der Rezeption einige Platznummern genannt, aus denen man sich den geeignetsten aussucht. Aber hier liefen die Platzsuchenden nicht am Spätnachmittag herum, sondern am frühen Vormittag. An einem Morgen gehörten wir auch dazu.

vorher: unser erster, provisorischer Stellplatz

Als wir nämlich spätnachmittags ankamen, fanden wir zwar einen – durchaus schönen – Stellplatz, aber es stellte sich im Nachhinein heraus, dass wir wegen einer wunderschönen alten Schatteneiche und wegen der Zwischenterrasse unser Vorzelt nicht aufgebaut kriegen würden. Also haben wir morgens in Ruhe nach einer Alternative gesucht – und sie auch gefunden.

unser neuer, geräumiger Platz

Ursache dieses häufigen „Standort-wechsle-dich-Spiels“ war, dass die Campingplätze auf Krk Anfang September noch sehr voll waren. Wir selbst haben erst auf dem dritten Platz unserer Wahl bleiben können. Denn die Bayern und Baden-Württemberger hatten noch Schulferien, und die anderen Gäste, die die Hochsaison(preise) und die große Hitze meiden wollten, waren auch schon da – Familien mit Kleinkindern und ferienunabhängig (vor allem ältere) Reisende.

 

Wenn‘s mal regnet

Man fährt natürlich an die Adria, um dort tagein und tagaus die Sonne und ihre Wärme zu genießen. Aber auch dort regnet es mal – manchmal sogar extra stark. Einen Tag lang wechselte sich „normaler „ Landregen ab mit Schauern „wie aus Kübeln“, so dass das Wasser die Wege und die Zeltplanen hinabfloss.

Ein Blick vor unsere „Haustür“ – Zwischenzeitlich stand die Fußmatte ganz unter Wasser.

Eine Stunde später war alles Wasser wieder im Kies versickert. Aber das Ganze wiederholte sich mehrmals. Da waren wir froh, nicht mehr im Zelt direkt auf dem Boden zu liegen. Auch die Steckdosen hatten wir vorsichtshalber hochgelegt. Ein paar Tage später wuchsen dann plötzlich diese Pilze auf unserem Stellplatz aus dem Kies.

Der Regen hatte das Myzel wachgeküsst.

Nach so einem Regentag weiß man das anhaltend schöne Sonnenwetter umso mehr zu schätzen.

 

Damals und heute

Vor ein paar Jahrzehnten ging Camping so:

Man packte alles in seinen Familienwagen und fuhr los. So reduzierte man seinen Bedarf aus das Notwendigste. Man stellte sein Zelt auf eine Wiese; Campingleben bedeutete Minimalismus.

Heute werden immer mehr Mobilhomes und feudal ausgestattete Ferienhäuser auf den Campingplätzen installiert. Die Sanitärgebäude sehen aus wie frisch renovierte Badezimmer im Einfamilienhaus. Auch die Stellplatzausstattung wird immer üppiger. Strom-, Wasser- und Fernsehanschluss an jedem Stellplatz reichen da nicht mehr. Es muss schon der eigene Grill und Palmenschirm passend zum Meerblick sein.

Und wenn auf einer Landspitze eine Kapelle steht (was in Kroatien häufiger vorkommt), kann sie ja nicht einfach abgerissen werden, sondern man integriert sie in die Campingkulisse.

Direkt dahinter befinden sich die Beach Bar und der Infinity Pool.

 

Zu guter Letzt

Mit dieser Tour haben wir unsere Erkundung Kroatiens fortgesetzt, die wir vor sechs Jahren gestartet hatten. (siehe damaligen Blog). Wir haben jetzt den Küstenbereich, den wir wegen unseres Umweges zu den Plitvicer Seen vor sechs Jahren verpasst haben, „erfahren“. Wir haben viel typisch Kroatisches wieder gesehen; das habe ich aber schon im Blog vor sechs Jahren vorgestellt. Aber während wir damals von einer Weltkulturerbestätte zur nächsten kamen, haben wir in diesem Jahr nicht eine einzige besucht. Wir fanden die Orte und Landschaften trotzdem sehr sehenswert. Und weil sie eben nicht auf einer Liste der “places to see“ stehen, sind sie längst nicht so überlaufen. Es gibt deutlich weniger Touristennippes und Touristennepp. Besucher sind noch sehr willkommen und werden sehr freundlich begrüßt und behandelt.

Ein Beispiel der Selbstverständlichkeit, mit der Hilfe angeboten und auch tatsächlich geleistet wird, konnten wir am Tag unserer Abreise aus Sveta Marina selbst erleben. Weil es nach längerem Sonnenwetter gerade angefangen hatte zu nieseln, als wir abfuhren, bekamen wir ein Problem bei einem steilen Anstieg des Weges vom Campingplatz zur Hauptstraße. Die Antriebsräder unseres Autos drehten einfach durch, denn die Straße war sehr rutschig geworden. Der Regen hatte sich mit dem Lehmstaub verbunden – manche sagten auch, das Salz aus der Seeluft käme dazu. Kurz nacheinander kamen drei Einheimische die Straße herunter. Jeder hielt an, um uns Hilfe anzubieten. Die kannten das Problem schon. Kurz gesagt, einer von ihnen hat seinen Allrad-Pickup geholt, unseren Wohnwagen auf seinen Haken genommen und die 7 km bis zur Hauptstraße hinaufgezogen. Unser Auto konnte ohne Zuglast bequem hinterherfahren. Zwei Wohnmobile „hingen“ ebenfalls vor dem Berg. Helfer diskutierten gerade noch, wer welches mit seinem Abschleppseil hochziehen würde.

Von diesem Erlebnis gibt es kein Foto. Wir waren zu sehr damit beschäftigt, das Gespann wieder flott zu kriegen. Es wäre mir auch sehr unhöflich vorgekommen, die Helfer zu knipsen, während sie die Arbeit für uns machten.

Dafür gibt es zum Schluss noch ein für diesen Urlaub typisches Tierfoto.

Die Eidechsen waren klein, aber zahlreich.

Wir werden jetzt in guter Tradition in Etappen den Heimweg antreten und Zwischenstopps einlegen. In Augsburg werden wir noch etwas länger bleiben. Dort gibt es laut Reisefachliteratur viel zu erkunden, wenn auch die Augsburger Puppenkiste wegen Renovierung gerade geschlossen ist.

TL; DR:
Camping hat sich sehr verändert. Auch im Urlaub regnet es manchmal.